Bayer

Bilanz von Glyphosat-Klagewelle überschattet

Bayer geht überzogen von tausenden Glyphosat-Klagen ins neue Jahr. Mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto kaufte sich der Traditionskonzern wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters eine endlos lange Liste an Rechtsstreitigkeiten ein, die potenziell sehr teuer werden können.

red/Agenturen

Gleichzeitig stützte Monsanto im vergangenen Jahr aber das Ergebnis von Bayer und soll 2019 maßgeblich zu einer Verbesserung der operativen Rendite beitragen. Und so liegen Freud und Leid in Leverkusen derzeit nahe beieinander: „Wir haben die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt", zeigte sich Vorstandschef Werner Baumann am Mittwoch bei der Vorstellung der Jahresbilanz überzeugt. „Durch unsere Akquisition im Agrarbereich sind wir zur Nummer eins in diesem Markt aufgestiegen."

Baumann bemühte sich, die Wogen um den Unkrautvernichter, der von Monsanto entwickelt wurde, zu glätten. „Glyphosat ist ein sicheres Produkt. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien und unabhängige Bewertungen von Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt." Experten der brasilianischen Gesundheitsbehörde Anvisa stuften erst am Dienstag das umstrittene Herbizid als nicht krebserregend ein. Die Kläger, die ihre Krebserkrankung auf den Kontakt mit Glyphosat zurückführen, sehen das jedoch anders. Sie berufen sich auf die internationale Krebsforschungsagentur IARC, die den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hatte. Bayer sieht sich inzwischen mit etwa 11.200 Klägern in den USA konfrontiert, rund 1.900 mehr als noch Ende Oktober. Ein weiterer wegweisender Prozess startete in dieser Woche. Insgesamt sind für heuer derzeit sieben Verfahren zur Verhandlung angesetzt, das nächste startet im März.

Aber auch an anderen Ecken hat Bayer Baustellen. Baumann hat das größte Sparprogramm der Firmengeschichte aufgelegt, um den Konzern schlagkräftiger zu machen. Im November kündigte er den Abbau von rund 12.000 der weltweit gut 118.000 Stellen bis Ende 2021 an. Baumann will sich zudem vom Geschäft mit Tier-Medizin sowie Marken im Bereich Sonnenschutz und Fußpflege trennen. Auch der Anteil am Chemiepark-Betreiber Currenta steht zum Verkauf. Bayer komme gut voran, sagte Baumann. Bis Jahresende soll ein Käufer für die Sonnenpflegemarke Coppertone und die Fußpflege Dr. Scholl`s gefunden werden, für Currenta befinde man sich in weit fortgeschrittenen Gesprächen.

Feld Traktor
Das Unkrautvernichtungsmittel Round Up bzw. dessen Wirkstoff Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein.
Leonid_Eremeychuck_iStock