Coronavirus - FWF fördert Projekte, österreichische Firmen auf EU-Ebene erfolgreich

Vier neue Forschungsprojekte zum besseren Verständnis des neuen Coronavirus und seinen Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen fördert der Wissenschaftsfonds FWF im Rahmen der zweiten Tranche seiner „Akutförderung SARS-CoV-2“. Insgesamt 1,5 Millionen Euro fließen in die in Wien und Innsbruck durchgeführten Vorhaben. Auch in europäischen Förderschienen waren österreichische Firmen erfolgreich.

red/Agenturen

Mit seiner Akutförderung hat der FWF am Beginn der Pandemie eine „Fast-Track-Schiene“ für Corona-relevante Forschung eingerichtet, auch europäische Fördergeber haben mit eigenen Programmen auf die Pandemie reagiert. So hat etwa die EU-Kommission im Rahmen ihres Forschungsförderprogramms „Horizon 2020“ einen eigenen Coronavirus-Call aus der Taufe gehoben. Trotz der sofort einsetzenden mannigfaltigen wissenschaftlichen Anstrengungen weltweit, „bestehen deutliche Wissenslücken in unterschiedlichen Forschungsfeldern“, so FWF-Präsident Klement Tockner am Mittwoch in einer Aussendung. Die seitens des FWF nun „neu bewilligten Projekte überzeugen durch ihre wissenschaftliche Exzellenz und helfen somit, diese Lücken zu schließen“.

Vier neue Bewilligungen im Rahmen von FWF 

Mit 360.000 Euro wird die Weiterführung des „Austrian Corona Panel“ unter der Leitung des Wirtschaftssoziologen Bernhard Kittel vom Vienna Center for Electoral Research (VieCER) der Universität Wien ermöglicht. Hier handelt es sich um eine wiederkehrende Befragung von rund 1.500 Österreichern zu Einstellungen und Wahrnehmung, Reaktionen etc. im Zusammenhang mit der Coronakrise. Dabei geht es etwa um das gefühlte Gesundheitsrisiko, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Effekte oder um die Zustimmung und Befolgung der von der Regierung verhängten Maßnahmen zur sozialen Distanzierung.

Ebenfalls an der Uni Wien wird Judith Rollinger vom Department für Pharmakognosie am Aufspüren von natürlichen Wirkstoff-Kandidaten arbeiten. Die Fördersumme von 395.000 Euro wird das Team einsetzen, um „Hunderte Extrakte aus Pilzen, Heilpflanzen und Mikroben“ zu durchforsten, „um daraus jene Inhaltsstoffe aufzuspüren, die gegen das Coronavirus wirksam sind“.

Forschungen an MedUni Wien und Innsbruck

Ein im Verlauf der Pandemie bereits vielfach heiß diskutiertes Eisen greifen Oliver Langer von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinische Universität Wien und sein Team auf. Sie gehen der Rolle von Medikamenten gegen Bluthochdruck im Zusammenhang mit Covid-19-Erkrankungen nach. Diese stehen im Verdacht, das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu erhöhen, was viele Experten wiederum bestreiten. Unabhängig von dem neuen Projekt geht bereits seit Mai auch eine Gruppe um Manfred Hecking (ebenfalls Meduni Wien) im Rahmen einer ebenfalls von FWF mit 400.000 Euro geförderten klinische Studie dieser Frage nach.

Das vierte neue coronarelevante Vorhaben wird an der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt. Hier betreibt Wilfried Posch vom Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie Forschung an einem dreidimensionalen Modell der Atemwege aus menschlichen Zellen. Die Arbeiten sollen bei der Entwicklung von Medikamenten gegen die Covid-19-Infektion helfen. Je 200.000 Euro kommen in diesem Fall vom auf die Unterstützung von Grundlagenforschung spezialisierten FWF sowie vom Land Tirol.

Heimische Unternehmen koordinieren zwei neue EU-geförderte Projekte

Im Rahmen ihres Corona-Calls fördert die EU-Kommission nun 23 Projekte mit insgesamt 128,2 Millionen Euro, wie sie am Dienstag in einer Aussendung mitteilte. Diese Vorhaben umfassen insgesamt 347 Forschungsgruppen aus 40 Ländern - also auch aus Staaten, die keine EU-Mitglieder sind.

Bei insgesamt sechs der 23 ausgewählten Projekte sind österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit an Bord. Zwei Konsortien werden von heimischen Firmen koordiniert, wie die Forschungsförderungsgesellschaft FFG der APA mitteilte. Die Villinger GmbH aus Mieders im Stubaital (Tirol) führt im Rahmen des „CleanAir“ betitelten Vorhabens ein sieben Partner umfassendes Team, das an einem System zur Dekontaminierung der Luft arbeitet, um Gesundheitspersonal vor der Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. 17 Partner umfasst das „COVINFORM“-Konsortium, das von der Wiener Synyo GmbH koordiniert wird, und ein Informations- und Forschungssystem zum Abschätzen und Modellieren von Coronavirus-Risiken entwickeln will.

In der in Österreich über die FFG abgewickelten multilateralen Ausschreibung des europäischen EUREKA-Netzwerks zur Coronaforschung konnten überdies zwei Projekte mit Beteiligung österreichischer Unternehmen reüssieren. Die steirische AMS AG beschäftigt sich in Zusammenarbeit mit einer Partnerfirma aus Kanada unter dem Titel „AntigenSense“ mit einer verbesserten Testmethode zum Aufspüren von Antikörpern gegen Covid-19. Zusammen mit niederländischen Partnern arbeitet die medPhoton GmbH aus Salzburg im Zuge des „Smart-DETeCT“-Projekts an der Weiterentwicklung bildgebender diagnostischer Verfahren im Zusammenhang mit der Covid-19-Diagnose. Ziel ist es, ein bestehendes System so weiterzuentwickeln, dass die Lunge besser abgebildet werden kann.

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