Robert-Koch-Institut

Covid-19 in China wie schwere Grippewelle

Bisherige Daten deuten darauf hin, dass die neue Lungenerkrankung Covid-19 in China ähnlich verläuft wie eine schwere Grippewelle. Das sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag in Berlin. China habe drastische Maßnahmen unternommen, so dass sich das Virus bisher nicht größer außerhalb des Landes verbreitet habe.

red/Agenturen

Wichtig sei, dass es bisher bei den Ansteckungsketten außerhalb Chinas immer einen Zusammenhang mit China gegeben habe. „Das ist eine wichtige Aussage, weil man damit belegen kann, dass sich das Virus noch nicht weit in der Welt verbreitet hat“, so Lothar Wieler. Von einer Pandemie könne man noch nicht sprechen und es bestehe auch die Chance, dass es keine werde, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). Er betonte aber: „Wir sind momentan nicht in der Lage, die Dynamik des Ausbruchs zu prognostizieren.“

Wieler zeigte sich zuversichtlich bei der Eindämmbarkeit des neuartigen Coronavirus in Europa. In allen bisher betroffenen neun Staaten in Europa sei derzeit die Phase, in der die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden solle, sagte er. Dies gelinge bisher. Deshalb gebe es „genügend Optimismus“, dass dies auch weiter gelinge.

Laut Wieler liegt die Sterblichkeit bei den am Coronavirus erkrankten Menschen in China bei 2,2 Prozent und bei allen Erkrankten im Ausland bei 0,2 Prozent. Wie Christian Drosten, Direktor für Virologie an der Berliner Charité, sagte, liegt die Sterblichkeit von 0,2 Prozent damit im Bereich typischer Grippepandemien, wie es sie etwa in den Jahren 1957 und 1968 gegeben habe.

Die deutlich höhere Sterblichkeit in China erklärte Drosten im Expertengespräch der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit der dortigen Überlastung der statistischen Erfassung. Es gebe dort eine „vollkommen falsche Einschätzung der Zahlen“, diese würden vor allem die Kapazität des Meldesystems widerspiegeln. Die niedrigere Sterblichkeit sei die realistischere Zahl.

Laut Drosten arbeiten die Forscher der Charité mit Hochdruck an einem besseren Verständnis des neuartigen Coronavirus. Aktuelle Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass sich das Coronavirus anders verhalte als die Sars-Infektion Anfang der 2000er Jahre. Sars habe sich von Lunge zu Lunge übertragen. Das neue Coronavirus scheine sich hingegen ähnlich zu einer herkömmlichen Influenza von Rachen zu Rachen zu verbreiten.

Drosten sagte, es müsse aber noch weiter intensiv geforscht werden. Von der Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten seien die Experten „noch ziemlich weit entfernt“. Selbst die Einschätzung, dass in eineinhalb Jahren ein Impfstoff eingesetzt werden könne, sei optimistisch.

Falls es in Deutschland durch das Coronavirus eine Infektionswelle gebe, werde es schwierig sein, die Normalversorgung von Kranken aufrecht zu erhalten, sagte der Charité-Direktor. „Arztpraxen werden voll sein, andere Patienten müssen warten.“

Insofern sei es wichtig, dass sich jeder mit der Krankheit befasse und mit dem, was darüber bekannt sei. So sei etwa bekannt, dass Kinder und Schwangere fast nicht betroffen seien, sondern ältere Menschen eine besondere Risikogruppe und hier Männer besonders häufig betroffen seien.