Bildgebende Diagnostik

Diagnose und Therapie wachsen zusammen

Radiologen müssen sich auf die Herausforderungen der Artificial Intelligence mit immer mehr automatisierten Prozessen einstellen. Gleichzeitig wachsen Diagnose und Therapie zusammen, hieß es am Mittwoch beim Europäischen Radiologenkongress (ECR), der noch bis 3. März in Wien stattfindet.

red/Agenturen

Mit rund 28.000 Teilnehmern handelt es sich bei der Veranstaltung jedes Jahr um ein Mammut-Event. Dahinter steht auch eine Milliarden-Euro-Industrie für Bildgebung in der Medizin inklusive computerisierter Abläufe, Datenmanagement und -Analyse. „Der Kongress findet in diesem Jahr bereits zum 25. Mal in Wien statt", sagte der Präsident der Konferenz, Lorenzo Derchi (Genua), bei der Eröffnungspressekonferenz.

Eine sprichwörtlich „schöne neue Welt" zukünftiger Krebsmedizin mit wesentlicher Beteiligung stellte Regina Beets-Tan, Chefin der Radiologie am niederländischen Comprehensive Cancer Center in Amsterdam vor. „In 15 Jahren wird Krebs eine chronische Erkrankung sein. Neun von zehn der Erkrankungen wird man unter Kontrolle bringen können", zitierte sie den niederländischen Onkologen Rene Bernards.

„2035 wird die Präzisionsmedizin Wirklichkeit sein. Wir werden frühe Diagnosen oft noch kleiner Tumore haben. Die Behandlungsformen werden immer mehr minimal-invasiv sein. Zielgerichtete Therapien und Immuntherapien werden verbreitet sein. Die Lebenserwartung der Patienten wird größer sein", sagte Regina Beets-Tan.

Wesentliche Verbesserungen bei Prostatakarzinomen

Dahinter stecken enorme Herausforderungen an die Radiologie: feinere und eine wachsende Anzahl notwendiger bildgebender Untersuchungen mit Röntgen, CT, Magnetresonanz, Ultraschall, Positronen-Emissions-Tomografie (PET) bzw. eine Kombination der Verfahren sowie funktionale und molekulare Untersuchungen. Gleichzeitig werden mehr Patienten über längere Zeiträume wiederholte „Scans" benötigen, damit der Verlauf einer Erkrankung überwacht werden kann.

„Auch für die Therapieentscheidung werden diese Methoden verwendet werden. Wir wollen auch bestimmen, bei welchen Patienten bloß eine 'Watch-and-Wait'-Strategie (Warten und Überwachen; Anm.) ausreicht", sagte die Expertin.

Gleichzeitig wachsen Diagnose und Therapie in der Radiologie bzw. Nuklearmedizin zusammen. Mit einem radioisotopisch markierten prostata-spezifischen PSMA-Protein lässt sich sowohl ein Prostatakarzinom bildlich in einer PET-Untersuchung darstellen als auch behandeln. Ein anderes Beispiel: Markiert man den in der Krebs-Immuntherapie eingesetzten monoklonalen Antikörper Atezolizumab mit einem radioaktiv strahlenden Zirkonium-Isotop, lässt sich per PET/CT-Untersuchung besser unterscheiden, ob ein Patient auf eine solche Therapie ansprechen wird oder nicht.

Um das alles zu managen, werden zunehmend Artificial-Intelligence-Systeme inklusive selbstlernender Computersoftware eingesetzt. „Unsere Systeme werden die Daten von Patienten über Nacht selbstständig analysieren und jene Befunde obenauf positionieren, die am dringendsten weiterverfolgt werden müssen", erklärte die Expertin.

Tropenkrankheiten hauptsächlich durch Touristen „mitgebracht“

Doch Medizin ist nie Technik allein - schließlich geht es immer um den einzelnen, Hilfe suchenden Menschen. Deshalb wird Bernadette Abela-Ridder (WHO/Genf), Spezialistin für Tropenerkrankungen, bei dem Kongress darstellen, wie Radiologen möglichst menschlich und mit Expertise mit allen Fragen der Migration umgehen können.

„Man spricht oft von vernachlässigten Tropenerkrankungen. Krankheiten werden nicht vernachlässigt. Vernachlässigt werden die Menschen. Und die meisten Tropenkrankheiten kommen bei uns nicht durch Migranten oder Flüchtlinge ins Land, sondern durch die Touristen", sagte sie.

Ziemlich konstant sind rund um den Globus etwa drei Prozent der Weltbevölkerung Migranten. „Das sind derzeit 68 Millionen Menschen. 40 Millionen befinden sich außerhalb ihres Heimatlandes. 25,4 Millionen Menschen sind Flüchtlinge. Asyl suchen 3,1 Millionen Menschen. 85 Prozent aller dieser 'Displaced Persons' halten sich in den Entwicklungsländern auf", stellte Bernadette Abela-Ridder die aktuelle Situation dar. „Wir müssen Mortalität und Krankheitshäufigkeit bei den Betroffenen reduzieren, dafür Kapazitäten aufbauen und Diskriminierung vermeiden. Das Garantieren des höchstmöglichen Gesundheitszustandes für das Individuum ist eines der fundamentalen Rechte, die jeder Mensch hat."

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