Coronavirus

„Emergency Call"-Projekte: Schwerpunkt bei Diagnostika

Die Hälfte der 24 Projekte, die in der ersten Antragsrunde des Förderprogramms „Corona Emergency Call“ genehmigt wurden, widmet sich der Entwicklung von Diagnostika. Das geht aus dem am Montag von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG veröffentlichten Überblick über die geförderten Vorhaben hervor. Zwei Projekte haben die Entwicklung von Impfstoffen, acht jene von Therapeutika zum Ziel.

red/Agenturen

Die Bundesregierung hat mit dem „Corona Emergency Call“ 26 Mio. Euro an zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt, um die Forschung im Kampf gegen das Coronavirus zu beschleunigen. In der ersten Antragsrunde wurden 24 Projekte ausgewählt, die mit insgesamt 16 Mio. Euro gefördert werden. Die einzelnen Fördersummen pro Projekt werden von der FFG nicht veröffentlicht. Eine zweite Einreichrunde läuft bis 11. Mai.

Von den 24 Projekten widmen sich zwei klinischen Studien zur Entwicklung von Impfstoffen, acht der Entwicklung von Therapeutika. Zwölf Vorhaben wollen Diagnostika entwickeln und zwei Projekte sind im Bereich Infektionsprävention und -kontrolle angesiedelt. Die geförderten Unternehmen haben ihren Standort in Wien (12), der Steiermark (4), Tirol (3), Salzburg (2), Oberösterreich (1), Kärnten (1) und Vorarlberg (1).

Zwei klinische Studien zur Entwicklung von Impfstoffen, acht zur Entwicklung von Therapeutika

Im Bereich „Impfstoff-Entwicklung“ erhalten laut FFG die Themis Bioscience GmbH und die zu Takeda gehörende Baxalta Innovations GmbH eine Förderung. Erstere plant eine klinische Studie (Phase 1) mit einem neuen Impfstoff gegen das Coronavirus im Sommer 2020 in Österreich und den USA. Letztere entwickelt eine mögliche Antikörper-Therapie für Covid-19, mit der Personen mit schwerwiegenden Komplikationen behandelt werden sollen.

Zu den geförderten Projekten im Bereich „Entwicklung von Therapeutika“ zählt das von Josef Penninger mitgegründete Wiener Biotech-Unternehmen Apeiron, das auf das synthetische Enzym APN01 (rhACE2) setzt und hofft, dass dieses die Infektion von Zellen durch das Coronavirus blockiert. Auch der Wirkstoff Selisistat soll den Virus-Eintritt in die Zellen verhindern, auf ihn setzt die AOP Orphan Pharmaceuticals AG in Wien. Die Tiroler Cyprumed GmbH will einen antiviralen Nasen- und Rachenspray entwickeln, der auf Hilfsstoffen mit antiviraler Aktivität basiert, die bereits in zugelassenen Medizinprodukten verwendet werden. Die Marinomed Biotech AG in Wien widmet sich einer neuen Inhalationslösung zur Bekämpfung viraler Lungenentzündungen, die auf einem antiviral wirksamen Polymer beruht.

Zwölf Projekte zur Diagnostika-Entwicklung und zwei für Infektionsprävention und -kontrolle

Die Wiener Apeptico Forschung und Entwicklung will den Einsatz des Wirkstoffs Solnatide - ursprünglich für die Behandlung von Patienten mit akuten Atemnotsyndrom (ARDS) entwickelt - in einer klinischen Studie auf seine Wirksamkeit bei Covid-19-Patienten untersuchen. Die Panoptes Pharma GesmbH in Wien erhofft sich vom Wirkstoff PP-001, dass er den Zytokinsturm bei schweren COVID-19-Krankheitsverläufen eindämmt. Auf die antivirale, anti-inflammatorische, immunmodulatorische und antibakterielle Wirkungen einer Goldverbindungen (Aurothioglukose) setzt die Produkem-Molekulares Design GmbH in Wien. Die Grazer AIT Angewandte Informationstechnik will ein kostengünstiges Beatmungsgerät im 3D-Druck-Baukastensystem entwickeln.

Im Bereich „Entwicklung von Diagnostika“ will das Grazer Unternehmen Qualizyme Diagnostics einen Schnelltest zum direkten Nachweis von Viruspartikel entwickeln. Die Attoquant Diagnostics GmbH in Wien sieht in der starken Wechselwirkung zwischen dem Coronavirus und dem ACE2-Rezeptor die Basis für einen massenkompatiblen Routinetest. Verschiedene Ansätze zur Entwicklung von Antikörper-Tests nutzen die Unternehmen Viravaxx AG in Wien, die Dr. Gernot Walder GmbH in Außervillgraten (Tirol), die Genspeed Biotech GmbH in Rainbach im Mühlkreis (OÖ) und die Labdia Labordiagnostik in Wien. Die Lexogen GmbH in Wien will mittels Next Generation Sequencing (NGS) ein Massenscreening ermöglichen und gleichzeitig die Mutationsrate des Virus nachverfolgen.

Die Novogenia GmbH in Salzburg entwickelt ein Testverfahren zur Messung und Auswertung einer großen Anzahl an Proben, die Pharmgenetix GmbH in Anif (Salzburg) eine Biomarker-Testung, die nicht nur eine Krankheitsdiagnose ermöglicht, sondern gleichzeitig auch eine Abschätzung zur Medikamentenverträglichkeit. Weiters werden die BioTreaT GmbH in Innsbruck und die SteadySense GmbH in Seiersberg-Pirka (Steiermark) gefördert. Die Tiroler wollen Viruspartikel im Einlauf von Kläranlagen nachweisen, um die Verbreitungsdynamik der Krankheit zu erfassen, die Steirer ein intelligentes Körpertemperatursystem mittels Hautpflaster und App entwickeln, mit dem in Kliniken oder Altenheimen Personen überwacht werden.

Im Bereich „Infektionsprävention und -kontrolle“ wird die RPD Rapid Product Development GmbH in Kapfenberg (Steiermark) gefördert. Sie will 3D-Teile aus Kunststoff herstellen, die mit antiviralen Schichten versehen sind und dort zum Einsatz kommen sollen, wo Oberflächen von vielen Menschen angegriffen werden, etwa Türklinken in Altersheimen. Zwei geförderte Unternehmen haben der Veröffentlichung ihrer Projekte bisher nicht zugestimmt.

 

medikamente
Ablenken, Aussperren, Vermehrung unterbinden, Antikörper von bereits Genesenen, Verhindern von Entzündungsstürmen oder Impfstoffe - im Kampf gegen das neue Coronavirus werden momentan viele Ansätze verfolgt.
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