Exzellente österreichische Forscher in den USA ausgezeichnet

Vier in den USA tätige österreichische Forscher wurden Samstagabend zum Abschluss des vom Office of Science and Technology Austria (OSTA) organisierten Austrian Research and Innovation Talk (ARIT) in Washington DC von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ausgezeichnet. Die für exzellente Arbeiten vergebenen ASciNA-Awards gingen an die Immunologin Daniela Weiskopf, die Literaturwissenschafterin Daniela Gandorfer, den Physiker Peter Asenbaum und die Zellbiologin Astrid Gillich.

red/Agenturen

Die Preise werden vom Bildungsministerium und dem Verein ASciNA (Austrian Scientists and Scholars in North America) nach Begutachtung durch den Wissenschaftsfonds FWF verliehen. Ausgezeichnet werden junge Forscher für im Vorjahr publizierte Arbeiten, die an nordamerikanischen Forschungseinrichtungen entstanden sind. Das 2002 gegründete ASciNA-Netzwerk hat weltweit über 1.200 Mitglieder.

Der mit 10.000 Euro dotierte „Junior Principal Investigator"-Award ging an die aus Innsbruck stammende Immunologin Daniela Weiskopf vom La Jolla Institute for Immunology (US-Bundesstaat Kalifornien). Sie hat mit ihrer im Fachjournal „Science" veröffentlichten Arbeit gezeigt, dass harmlose Erkältungen das Immunsystem gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wappnen können. Weiskopf und ihre Kollegen fanden heraus, warum in rund der Hälfte von untersuchten Blutproben aus den Jahren 2015 bis 2018, also lange vor dem ersten Auftreten des neuen Coronavirus, eine Reaktion der T-Zellen gegen SARS-CoV-2 nachweisbar ist.

Verantwortlich dafür sind Kreuzimmunitäten, die von - im Vergleich zu SARS-CoV-2 harmlosen, für saisonale Erkältungen verantwortlichen - Coronaviren verursacht werden. Diese Kreuzimmunität der T-Zellen könnte auch zur großen Bandbreite an Symptomen bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 beitragen, betonte Weiskopf, die ihr PhD-Studium in Immunologie an der Medizinischen Universität Innsbruck absolviert hat und seit 2009 am La Jolla Institute for Immunology arbeitet. In einer erst diese Woche ebenfalls in „Science" veröffentlichten Arbeit zeigen Weiskopf und ihre Kollegen, dass diese Kreuzimmunität zu einer besseren Immunantwort nach einer Corona-Impfung führt.

Junge österreichische Forschende gewürdigt, die Sprung ins Ausland gewagt haben

Drei Wissenschafterinnen und Wissenschafter erhielten jeweils einen der mit je 7.500 Euro dotierten ASciNA-Preise für „Young Scientists". Peter Asenbaum vom Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien wird für eine im Fachjournal „Physical Review Letters" veröffentlichte Arbeit ausgezeichnet. Er hat darin - damals noch am Department of Physics der Stanford University beschäftigt - das sogenannte Äquivalenzprinzip, wonach sich in einem homogenen Gravitationsfeld alle Objekte im freien Fall gleichartig verhalten, auf den Quanten-Prüfstand gestellt. Dazu hat der Absolvent der Uni Wien die relative Beschleunigung von Quantenzuständen zweier Atomarten im freien Fall mit bisher unerreichter Genauigkeit gemessen und keine Unterschiede festgestellt - es folgen also auch Quantensysteme dem Einsteinschen Äquivalenzprinzip.

Ein weiterer „Young Scientist"-Award ging an Daniela Gandorfer von der University of California in Santa Cruz und Mitbegründerin und Co-Direktorin des Forschungsinstituts „Logische Phantasie Lab". Die an der Uni Wien ausgebildete Rechts- und Literaturwissenschafterin wird für ihr in Kürze bei Duke University Press erscheinendes Buch „Matterphorics: On the Laws of Theory", das auf ihrer Dissertation an der Princeton University basiert, ausgezeichnet. Sie zeigt darin u.a. die komplexen Verschränkungen von normativen Systemen mit wissenschaftlichen und philosophischen Interpretationen der Welt auf und schlägt eine „Ethik des Rechtsdenkens" vor, „welche die jenen Systemen inhärente Gewalt erkennen und aufdecken kann". Die Dringlichkeit solcher Analysen beweist Gandorfer beispielsweise im Hinblick der Bedeutung von Blockchain-Technologie und Quantenphysik für zukünftige Rechts- und Regierungsformen.

Ebenfalls einen „Young Scientist"-Award erhielt Astrid Gillich vom Department of Biochemistry der Stanford University School of Medicine. In ihrer nun ausgezeichneten, im Fachjournal „Nature" veröffentlichten Arbeit untersuchte die an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und der Universität Cambridge ausgebildete Zellbiologin die bisher kaum erforschten Blutgefäße der Lungenbläschen. Erstmals zeigte sie, dass diese Kapillargefäße der Lunge aus zwei Zelltypen aufgebaut sind - ein nur in der Lunge zu findender, auf den Gasaustausch spezialisierter Zelltyp sowie Stammzellen, die für die Erneuerung und Reparatur der Kapillaren verantwortlich sind. Ihre Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten und Strategien für die Regeneration der Blutgefäße der Lunge führen.

Mit den Preisen „würdigen wir junge österreichische Forschende, die den Sprung ins Ausland gewagt haben und im Rahmen ihrer Forschungsarbeit an renommierten Universitäten und Forschungsinstitutionen in Nordamerika herausragende wissenschaftliche Leistungen erbracht haben“, betonte Faßmann. Er verwies auf die Bedeutung internationaler Kooperation und Vernetzung sowie die „Bedeutung des Beitrags von Wissenschaft und Forschung vor dem Hintergrund der komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen, von Gesundheit und Klima bis hin zu Menschenrechten“.

ASCINA: https://ascina.at/; Ausgezeichnete Arbeit von Weiskopf: http://dx.doi.org/10.1126/science.abd3871; Aktuelle Arbeit von Weiskopf: http://dx.doi.org/10.1126/science.abj9853; Ausgezeichnete Arbeit von Asenbaum: http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevLett.125.191101; Link zu Gandorfers Dissertation: http://arks.princeton.edu/ark:/88435/dsp01pv63g3200; Ausgezeichnete Arbeit von Gillich: https://doi.org/10.1038/s41586-020-2822-7)