Welt-Herztag

Größter Teil der Erkrankungen wäre vermeidbar

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Todesursachen. Ein Großteil der Erkrankungen könnte durch ausreichende Reduktion der Risikofaktoren verhindert werden. Betroffene sollten laut neuen Präventions-Leitlinien der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) gemeinsam mit ihren Ärzten rechtzeitig erreichbare Ziele vereinbaren und verfolgen, stellten am Montag Experten der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) bei einer Online-Pressekonferenz fest.
 

red/Agenturen

Der Hintergrund: Am Mittwoch (29. September) findet der Welt-Herztag statt. Vor wenigen Wochen diskutierte die internationale Kardiologen-Gemeinschaft beim ESC-Jahreskongress die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen. Dazu gehörten auch neue Präventionsleitlinien für kardiolvaskuläre Erkrankungen. In den Leitlinien wird auf „shared decision making“ gesetzt, also auf gemeinschaftliches Handeln von Patienten mit ihren Ärzten.

Bluthochdruck, LDL-Cholesterin, Diabetes und Rauchen als Haupt-Risikofaktoren

„Herzerkrankungen sind der 'Killer Nr. 1' in unserer Gesellschaft. Jeder dritte Todesfall ist darauf zurückzuführen“, sagte Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologe von MedUni Wien/AKH. Geschlecht, Alter und genetische Disposition könne man nicht beeinflussen, ganz anders sei das mit dem Rauchen, Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten und Diabetes.

Der oberösterreichische Kardiologe Peter Siostrzonek (Ordensklinikum Linz) führte bedenkliche Daten zur Beherrschung der beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich an: „In einer Studie, an der wir teilgenommen haben, zeigte sich, dass 43 Prozent der Teilnehmer (Probanden; Anm.) ihre erhöhten Blutdruckwerte gar nicht gekannt haben.“ Ein erheblicher Teil der Patienten nehme die verschriebenen Medikamente nicht ausreichend ein und erreiche nicht die empfohlenen Blutdruck-Zielwerte. „Mehr als 50 Prozent der Österreicher haben aber einen erhöhten Blutdruck“, warnte der Herzspezialist. Würde man erhöhte Blutdruckwerte um zehn mmHg senken, könnte man das Herz-Kreislauf-Risiko um ein Drittel reduzieren, bei einer Senkung um 20 mmHg würde die Gefährdung um 50 Prozent abnehmen.

Viele Betroffene nicht ausreichend behandelt

Beim „bösen“ LDL-Cholesterin gebe es mittlerweile keine Grenze nach unten mehr. Möglichst wenig LDL-Anteil bei den Blutfettwerten sei deshalb anzustreben, betonte der Experte. Bei frühzeitiger ausreichender LDL-Cholesterin-Senkung ließen sich etwa zwei Drittel des Herzinfarktrisikos verhüten. Dass allfälliges Rauchen am besten sofort einzustellen ist, wäre eine klare Sache. Für die Behandlung des mit einer erhöhten Herz-Kreislauf-Gefahr einher gehenden Diabetes mellitus gebe es mittlerweile sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Das gleiche gilt für die medikamentöse Therapie von Hypertonie und zu hohen Blutfettwerten.

In der medikamentösen Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Risiko, aber noch keine Erkrankung) gibt es mittlerweile gute Daten zur Wirkung der sogenannten „Polypill“. Zumeist enthalten ist ein Blutdruck senkender und ein Cholesterin reduzierender Wirkstoff sowie niedrig dosiertes Aspirin. Damit ließe sich die Häufigkeit von kardiovaskulären Akutereignissen um 20 bis 25 Prozent verringern, bestätigte der Linzer Kardiologie Daten vom ESC-Kongress. Doch auch die Entscheidung für einen solchen Weg müssten Patienten und ihre Ärzte gemeinsam treffen.

Im Endeffekte kommt es auf die Entscheidung des Einzelnen an. „Nach einer Bypass-Operation habe ich gewusst: 'Entweder? Oder?' Da hat das Leben für mich erst richtig begonnen“, sagte Helmut Schulter, Geschäftsführer des Österreichischen Herzverbandes, über die Lebensstiländerungen, die ihm nach einer schweren Herz-Kreislauferkrankung gelangen. Der Verband bietet viele Informationsquellen und beispielsweise „Koronarturnen“ in 85 Bezirken Österreichs (www.herzverband.at).

Herzinfarkt Mann
„Herzerkrankungen sind der 'Killer Nr. 1' in unserer Gesellschaft. Jeder dritte Todesfall ist darauf zurückzuführen“, sagte Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologe.
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