Positive Reaktionen

Impfstoff-Fortschritt: Freude und Warten auf Daten

Angesichts der am Montag verkündeten positiven Ergebnisse der Firmen Biontech und Pfizer zu ihrem Covid-19-Impfstoff waren die Reaktionen unter Virologen und Experten euphorisch bis abwartend – aber allesamt positiv. So sprach der an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) tätige österreichische Virologe Florian Krammer von „fantastischen Resultaten“.

red/Agenturen

„Ehrlich gesagt ist das die beste Nachricht, die ich seit dem 10. Januar erhalten habe“, erklärte der Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York. Krammer erklärte gegenüber dem deutschen Science Media Center (SMC), dass die Wirksamkeit höher sein könnte als vermutet, „und das bedeutet vermutlich auch, dass es - zumindest in den USA - sehr bald zu einem Antrag zur Zulassung kommen wird.“ Auch für ihn wäre es noch wünschenswert, „altersspezifische Daten zu sehen, aber ich vermute, dass diese bald publiziert werden. Ehrlich gesagt, ist das die beste Nachricht, die ich seit dem 10. Jänner erhalten habe“, so der Virologe.

Für den Fall der Zulassung macht Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing Hoffnung auf einen raschen Impfstart: „Wenn dieser Schritt erfolgen wird, könnte in der Tat bereits Ende 2020 eine Impfwelle anrollen.“ Die vorgestellten Ergebnisse seien ein „Silberstreifen an dem sonst so düsteren Horizont“. 

Abwartender Heidemarie Holzmann von der Medizinischen Universität (Meduni) Wien: Es handle sich um einen „interessanten Ansatz“ und „vielversprechenden Trend“, man warte aber noch auf detaillierte Daten. Die bis dato vorhandenen Informationen beruhen lediglich auf einer Presseaussendung der beiden Unternehmen. Die Möglichkeiten, am heutigen Tag belastbare Aussagen dazu zu treffen, seien daher eingeschränkt, sagte die Wissenschafterin vom Zentrum für Virologie der Meduni zur APA. Wichtig sei, dass der Einsatz des Wirkstoffkandidaten, der als einer der aussichtsreichsten für eine Zulassung durch die Gesundheitsbehörden in den USA und Europa gilt, minutiös nachbeobachtet werde, betonte Holzmann.

Der Infektiologe Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln sprach von „großartigen und vielversprechenden Daten“. „Ich denke, das wird unseren Umgang mit der Pandemie entscheidend beeinflussen, und ich hoffe, dass rasch große Mengen des Impfstoffes zur Verfügung stehen werden.“ Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg rechnete mit einer baldigen Zulassung.  

An der Impfstoffentwicklung des US-Pharmakonzerns Pfizer und des deutschen Biotechnologie-Unternehmens BioNTech ist auch die Klosterneuburger Firma Polymun beteiligt. Sie stellte wichtige Teile für die Impfstoff-Dosen für die klinischen Studien samt der Phase-III-Studie her. Genauer gesagt wird der mRNA-Impfstoff mit Hilfe der heimischen Experten in Lipid-Nanopartikel gepackt und mit der Impfung dann in Muskelzellen eingeschleust. Daraufhin produziert der Körper selbst Teile des SARS-CoV-2-Spike-Proteins und das Immunsystem wird darauf trainiert. Polymun ist an gleich vier mRNA-Impfstoffkandidaten in Kooperationen beteiligt.