Coronavirus 

Kognitionsforscher: Emotionaler Peak steht noch bevor

Schon jetzt ist die Stimmung in Österreich rund um das Coronavirus emotional sehr aufgeladen. Der „emotionale Peak“ ist aber nach Ansicht des Kognitivforschers Stephan Dickert von der Universität Klagenfurt hierzulande noch nicht erreicht. Denn mit der Zahl der bestätigten Todesfälle werde auch die Angst weiter steigen, so Dickert im Gespräch mit der APA.

red/Agenturen

Ist Angst ansteckend? Absolut, sagt Dickert. Das zeige sich dieser Tage vor allem an der „Herdenmentalität“, so der Universitätsprofessor für Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung mit Blick auf die vielerorts leergeräumten Supermarktregale. Das Land befinde sich in einer „Extremsituation“, es sei derzeit auch „schwer, nicht emotional, sondern rational zu reagieren“.

Der Gedanke sich zu infizieren und eventuell zu sterben kann natürlich sehr lähmend wirken und besonnenes Handeln erschweren“, betonte Dickert. Vor allem mache aber die Unsicherheit über die gegenwärtige Situation den Leuten zu schaffen. Selbst wenn man alle Emotionen ganz bewusst versuche herauszulösen, sei es schwierig, dadurch eine „Handlungsdirektive“ abzuleiten.

Kritik an Kommunikation der Regierung

In Italien, das europaweit bisher am stärksten betroffen ist, sei der „emotionale Peak“ in manchen Regionen zum Teil schon überschritten, sodass man sich mit der Situation soweit angefreundet habe und diese akzeptiere, kommentierte der deutsche Wissenschafter.

Nachdem der emotionale Höhepunkt erreicht wurde, werde sich wahrscheinlich auch die derzeit in Österreich herrschende „diffuse Angst“ abschwächen. „Ich gehe davon aus, dass es dann relativ vielen Menschen gelingt, auch schnell wieder in den Alltag zurückzufinden“, so Dickert.

Für die strengen, von der Regierung gesetzten Maßnahmen und Einschränkungen hat der Kognitionsforscher zwar Verständnis. Verbesserungswürdig ist seiner Ansicht nach aber die Kommunikation, die „viel transparenter“ sein könnte. Dicker: „Von offiziellen Behörden hört man eigentlich immer, dass alles im Griff und man gut vorbereitet sei. Doch was genau gemacht wurde, wie man vorbereitet ist - hier werden oft wenig oder keine Details genannt.“ Zudem müsse zusätzlich zu den täglich neuen Infektionsfällen auch die Zahl der bereits Geheilten noch stärker kommuniziert werden.

Angst
In Italien, das europaweit bisher am stärksten betroffen ist, sei der „emotionale Peak“ in manchen Regionen zum Teil schon überschritten, sodass man sich mit der Situation soweit angefreundet habe und diese akzeptiere, so ein deutsche Wissenschafter.
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