WHO Studie

Männergesundheit ist ein weites Feld

In Europa gibt es hier große Differenzen bezüglich Mortalität und Gesundheitsrisiken. So ist Alkohol etwa in Osteuropa Todesursache Nummer eins, während das Rauchen in West,- und Mitteleuropa ganz vorne liegt.

red/Agenturen

Der erstmals erstellte WHO-Report zum Thema Männergesundheit befasst sich mit gesundheitlichen Risiken und Krankheitsursachen in insgesamt 53 WHO-Staaten Europas und kam zu folgendem Ergebnis: Männer leben gesünder und werden demzufolge älter als jemals zuvor.

Trotz dieser Entwicklung gibt es aber gerade unter jungen Männern viele Todesfälle, die laut WHO vermeidbar wären und die jenseits biologischer Gründe zu finden sind. Die Ergebnisse der englischsprachigen Studie „The health and well-being of men in the WHO European Region: better health through an gender approach“ wurden kürzlich in Rom präsentiert.

Gesundheitlicher Benefit für Männer bei mehr Gleichberechtigung

Die Studie zeigt außerdem, dass Schlüsselfaktoren wie etwa Vermögen, Ausbildung oder Beschäftigung die Gesundheit von Männern wesentlich beeinflussen. Lebt ein Mann außerdem in einem Land, in dem das Thema Gleichberechtigung stark ausgeprägt ist, profitiert dessen Gesundheit davon. Das zeigt sich zB. in niedrigeren Sterberaten, höherem Wohlbefinden und einem geringeren Risiko, an Depressionen zu erkranken.

Zsuzsanna Jakab, WHO Regional Director Europe, betont, dass in den vergangenen Jahren „eine beeindruckende Verringerung der Sterblichkeitsrate unter jungen Männern gelang“, dass aber nach wie vor zu viele junge Männer entweder gar nicht von Gesundheitseinrichtungen erreicht würden oder an vermeidbaren Krankheiten und Unfällen sterben. Der Fokus läge nun darauf, diese Zahlen zu verbessern.

Alarmierende Unterschiede bei regionalen Mortalitätsraten

Wesentlich sind die großen Differenzen bei der Männergesundheit bezogen auf die jeweiligen Gebiete, außerdem unterscheidet sich die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich: Sie rangiert zwischen 64 und 81 Jahren.  

Die Studie in Zahlen:

  • 86 Prozent aller Todesfälle lassen sich chronischen Krankheiten zuordnen.
  • In Osteuropa passieren 37 Prozent aller Todesfälle, die von chronischen Krankheiten verursacht werden, vor dem 60. Geburstag. In Westeuropa sind das nur 13 Prozent.  
  • Die Haupttodesursachen für Männer zwischen 30 und 59 Jahren sind neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen.  
  • In manchen Ländern Osteuropas ist dabei das Risiko, frühzeitig an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, für Männer um das Siebenfache höher als in Westeuropa.
  • Drei Viertel der Männer, die an einem Verkehrsunfall starben, waren dabei jünger als 25 Jahre.

 

Alkoholkonsum und Raucherquote korrelieren mit sozialen Normen

Eine grundsätzliche Fragestellung war der Hang von Männern, höhere Risiken einzugehen: So oft wurde selbiges schon beschrieben und beobachtet, dass man meinen könnte, dieser Faktor sei biologisch determiniert. Was so nicht stimmt und auch durch die vorliegende Studie gezeigt wird:  Denn Gendernormen und gesellschaftliche Erwartungen sind bei Themen wie Alkoholkonsum, Raucherquote oder Unfällen weitaus entscheidender.

Dabei sind Alkohol und Drogenkonsum in Osteruopa Todesursache Nummer eins: 24 Prozent aller Todesfälle unter Männern gehen auf deren Konto. In Westeuropa dagegen ist das Rauchen der Hauptrisikofaktor, 1 Mio. männliche Tote gab es dadurch 2016 in West,- und Mitteleuropa. 

Männer gehen aber bewiesenermaßen ganz grundsätzlich seltener zum Arzt. So bleiben etwa Depressionen und psychische Probleme lange unerkannt, weil Männer hier zu spät Hilfe in Anspruch nehmen. Das führt wiederum zu einer steigenden Suizidrate, die bei Männern zwischen 30 und 49 Jahren fünf Mal höher liegt als bei Frauen im selben Alter.

 

Mann Zigarette Hand
Über 90 Prozent aller COPD-Betroffenen rauchen oder haben über lange Zeit geraucht.
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