Coronavirus

Maßnahmen reduzieren laut Simulation Krankenzahlen klar

Die mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens angestrebte Reduktion sozialer Kontakte könnte die Verbreitung des Coronavirus stark einschränken. In einem „Worst-Case-Szenario“ kommen auf Simulationsrechnungen spezialisierte Mathematiker auf rund zwei Millionen gleichzeitig Infizierte in Österreich Ende Mai, werden die Kontakte um ein Viertel eingeschränkt, sinke die Zahl auf rund 360.000.

red/Agenturen

Das Team um Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien und vom als TU-Spin-off gegründeten Modellierungs- und Simulations-Unternehmens dwh geht in einem „absoluten Worst-Case-Szenario“ von der Annahme aus, dass im gesamten Verlauf des Coronavirus-Ausbruchs rund 60 bis 70 Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen wären. Diesen dramatischen Verlauf hatte kürzlich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Spiel gebracht.

Im „Worst-Case“ Höhepunkt Ende Mai

Träfe das zu, würden in Österreich mit seinen rund 8,8 Mio. Einwohnern zwischen 5,3 und 6,2 Mio. Menschen im Verlauf der Epidemie über mehrere Monate hinweg infiziert, heißt es seitens der Forscher. In ihrer Epidemie-Simulation, in der das Hauptaugenmerk auf dem Abschätzen von realistischen Verhaltensweisen von Menschen liegt, erreicht die Virus-Verbreitung Ende Mai ihren Höhepunkt, wenn die Maßnahmen zur Kontaktreduktion keine Wirkung zeigen. Zu diesem Zeitpunkt wären gleichzeitig zwei Millionen Österreicher infiziert.

 Zeigen die Einschränkungen jedoch Wirkung und die Kontaktrate sinkt um nur zehn Prozent, setzt der Höhepunkt etwas später ein und fällt mit rund 1,2 Mio. gleichzeitig Erkrankten deutlich kleiner aus. Die durch die Maßnahmen seitens der Bundesregierung angestrebte Reduktion der sozialen Kontakte um zumindest 25 Prozent hätte laut der neuen Simulation der Experten einen noch größeren Effekt als bisher angenommen, sagte Popper zu APA.

Eindämmung hat große Wirkung

Träfe das tatsächlich zu, würde der Höhepunkt nicht nur rund drei Monate später, also Ende des Sommers erreicht, er fiele mit ungefähr 360.000 gleichzeitig Betroffenen auch weit glimpflicher aus. Selbst wenn es sich hier um eine sehr pessimistische Grundannahme zur Krankheitsverbreitung handle, zeigt sich laut Popper eindrücklich, dass Anstrengungen zur Eindämmung wichtig und vor allem wirksam sind.

Mit klassischen Modellrechnungen komme man bei um ein Viertel reduzierten Sozialkontakten auf eine Abflachung des Verbreitungshöhepunktes um rund 50 Prozent. In ihrer „agentenbasierten Epidemie-Simulation“ lassen die Experten ein ganzes Bündel an Faktoren einfließen. Dazu zählen etwa die Altersstruktur der österreichischen Gesellschaft, Annahmen zum Krankheitsverlauf, die geografische Verteilung der Bevölkerung oder vor allem Annahmen über regionale Netzwerke mit „lokalen Mini-Epidemien“, die eigenen Dynamiken unterliegen, und leichter isoliert werden können. Das bringe eine größere Genauigkeit mit sich, so die Experten.

Situation bleibt Kraftakt

Ob die seitens der Bundesregierung verhängten Maßnahmen – die in den Berechnungen bereits berücksichtigt sind – tatsächlich den gewünschten Effekt bringen, werden die Wissenschafter in Kooperation mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) „im Laufe der nächsten Wochen überprüfen“, sagte Popper zur APA. Selbst wenn die neuen Vorgaben greifen, bleibe die kommende Situation „immer noch ein Kraftakt“, wie das Beispiel des Wiener Gesundheitssystems zeigt. Gelinge es, „die Anzahl der Kontakte sogar noch deutlicher zu reduzieren, besteht die Hoffnung, mit noch weniger zusätzlichen Spitalsbetten auszukommen. Das sollte unser Ziel sein, jedes Krankenhausbett zählt“, so der Forscher.