Mediziner wird neuer Rektor der Universität Salzburg

Mit dem 65-jährigen Deutschen kommt zum ersten Mal ein Leiter der Hochschule nicht aus dem Haus.

red/Agenturen

Die Universität Salzburg bekommt einen neuen Rektor. Durchgesetzt hat sich dabei am Donnerstag allerdings nicht der Erstgereihte im Vorschlag des Senats, der Arbeitsrechtler und frühere Vizerektor Rudolf Mosler, sondern der Internist Hendrik Lehnert aus Lübeck. Mit dem 65-jährigen Deutschen kommt zum ersten Mal ein Leiter der Hochschule nicht aus dem Haus.

Von 2014 bis 2017 auch Präsident der Universität Lübeck

Dass nun ein Mediziner Chef einer Universität wird, die selbst kein Medizinstudium anbietet, aber etwa über einen starken gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt verfügt, mag eine Überraschung sein. Doch Lehnert verfüge über eine hervorragende Qualifikation für die Leitung einer Universität, begründete der siebenköpfige Universitätsrat die Entscheidung. Der Deutsche gelte als international anerkannter Experte in seinem Fach, er war von 2014 bis 2017 auch Präsident der Universität Lübeck. Dort soll der aktuelle Leiter der 1. Medizinischen Klinik über die Jahre rund 70 Millionen Euro an Forschungsmitteln akquiriert haben.

„Es ist in Salzburg durchaus gewünscht, Kooperationen mit der Medizin zu suchen“, sagte Lehnert zur APA. Insgesamt wolle er die Universität Salzburg international noch sichtbarer und zu einer Exzellenz-Uni machen. „Mir schwebt vor, die Fakultäten stärker zu vernetzen. In interdisziplinären Projekten liegt viel Potenzial.“ Die Strategien und Ideen dazu habe er schon im Kopf. Auch will Lehnert Anreize für wissenschaftliche Topleistungen schaffen. Ein Ansinnen, dass bei ihm schon bei den Studenten beginnen dürfte: In Lübeck stiftete er etwa einen nach ihm selbst benannten Preis für besonderes studentisches Engagement, der mit 2.000 Euro dotiert ist.

Vorstand der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Lehnert wurde 1954 geboren und studierte in Münster parallel Psychologie und Humanmedizin. Er war unter anderem Stipendiat am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA und an der Harvard School of Public Health, arbeitet einige Jahre an den Universitätskliniken in Münster und Mainz und absolvierte die Facharztausbildung für Innere Medizin. Seit 2007 ist er Direktor der 1. Medizinischen Klinik in Lübeck - unterbrochen nur von den drei Jahren seiner Präsidentschaft, die er Ende 2017 zurücklegte, um sich der Gründung eines neuen Forschungsinstituts zu widmen.

Lehnert war und ist Mitglied zahlreicher Universitätsgremien und Forschungsgesellschaften, aktuell sitzt er etwa im Vorstand der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Sein Lebenslauf listet über 600 Publikationen in Fachzeitschriften, zudem gab er zehn Bücher heraus - etwa Standardlehrbücher für das Fach Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel. Lehnert ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Das Rektorat in Salzburg dürfte ihm übrigens auch wegen seiner Hobbys entgegen kommen. „Ich liebe die Berge, wandere gerne und fahre gerne Ski.“ Nachsatz: „So weit die Zeit dafür bleibt.“

Der 65-Jährige soll sein Amt am 1. Oktober antreten. Sein Alter - der aktuelle Rektor Helmut Schmidinger geht dann mit der gleichen Zahl an Lebensjahren in Pension - sieht er nicht als Hindernis. Lehnert hatte schon vor seiner Wahl angekündigt, mindestens für zwei Amtsperioden zur Verfügung zu stehen.

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Dass nun ein Mediziner Chef einer Universität wird, die selbst kein Medizinstudium anbietet, aber etwa über einen starken gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt verfügt, mag eine Überraschung sein.
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