Immunsystem

Neu entdeckter Eiweißstoff steigert Energieproduktion in Immunzellen

Immunzellen brauchen viel Energie, um durch das Gewebe zu Infektionsherden vorzudringen. Bei Bedarf steigert deshalb ein neu entdeckter Eiweißstoff namens „Atossa“ bei Fruchtfliegen die Aktivität der Zellkraftwerke (Mitochondrien), berichtet ein Team um Daria Siekhaus und Shamsi Emtenani vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg (NÖ) in der Fachzeitschrift „EMBO Journal“. In Säugetieren leiste er wohl Ähnliches.

red/Agenturen

„Atossa wirkt als Gaspedal und Gangschaltung“, erklärte Siekhaus in einer Aussendung: Erstens aktiviert der Eiweißstoff zwei Stoffwechselenzyme, die dazu beitragen, dass mehr Treibstoff in die Mitochondrien gelangt. Zweitens schaltet Atossa jene Zellkraftwerke quasi in einen höheren Gang, indem er die Konzentration des Eiweißstoffes Porthos erhöht. Porthos unterstütze wiederum die Produktion vieler Apparate, die die mitochondrielle Aktivität und somit die Energieproduktion erhöhen.

Porthos ist der Name eines vom französischen Dichter Alexandre Dumas erfundenen Musketieres, und Atossa hieß eine reale persischen Königin, die 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte. Ohne Atossas Befehl wäre die Zellwanderung verringert, so Emtenani und Siekhaus . Der Energieschub wäre vor allem für die „Pionierzellen“ der Immunstreitkräfte entscheidend, erklären sie: „Ähnlich wie bei einer Expedition durch ein Dickicht leisten diese Zellen Schwerstarbeit, sich einen Weg zu bahnen, und benötigen daher mehr Energie.“

Solch einen Energiebooster für Immunzellen gibt es wohl nicht nur bei Fruchtfliegen, sondern auch bei Menschen. Die Säugetiervariante konnte nämlich den Ausfall von Atossa in Fruchtfliegen kompensieren.

Immunzellen
Erfolgreiches (links) und unterdrücktes (rechts) Vordringen der Zellen.
ISTA_APA