Neues Christian Doppler Labor für CAR-T-Zelltherapie in Wien

Ein neues Christian Doppler (CD) Labor soll in Wien aktiv werden. Das CD-Labor nimmt seine Arbeit am St. Anna Krebsforschungszentrum auf. Es geht dabei um Initiativen rund um die sogenannte CAR-T-Zelltherapie. Sie wird derzeit bei wenigen Patienten vor allem mit Blutkrebs eingesetzt, wenn andere Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind.

red/Agenturen

Das neue CD-Labor steht unter der Leitung von Manfred Lehner von der St. Anna Kinderkrebsforschung in Zusammenarbeit mit Michael Traxlmayr vom Institut für Biochemie der Universität für Bodenkultur und dem Partnerunternehmen Miltenyi Biotec, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung. Miltenyi Biotec hat Laborgeräte entwickelt, mit denen man CAR-T-Zellen für die Therapie an Kliniken herstellen kann.

Körpereigene Immunzellen, vor allem T-Zellen, können Krebszellen abtöten. Wiederkehrende Tumore haben aber gelernt, sich so zu präsentieren, dass unsere Immunzellen sie nicht mehr als gefährlich erkennen. In der CAR-T-Zelltherapie können Krebszellen für das Immunsystem wieder sichtbar gemacht werden, indem man T-Zellen aus dem Blut der Patienten isoliert und mit künstlich eingebauten Rezeptoren, sogenannten chimären Antigenrezeptoren (CARs), ausstattet. Die so veränderten Zellen werden dem Patienten dann verabreicht, wo sie sich vermehren und den Krebs bekämpfen sollen.

Molekulare Werkzeuge entwickeln, um CAR-T-Zellen besser zu kontrollieren

CAR-T-Zellen zeigen in der klinischen Anwendung teilweise beeindruckende Erfolge, besonders bei der Behandlung von B-Zellleukämie und B-Zelllymphomen. Für solide Tumore (z.B. Karzinome) gibt es allerdings trotz intensivster weltweiter Forschungen bisher keine auch nur annähernd vergleichbaren Erfolge. In soliden Tumoren wird nämlich eine wirksame Immunantwort häufig gleich über mehrere Mechanismen verhindert. Deshalb laufen wissenschaftliche Arbeiten, um die Wirksamkeit von CAR-T-Zellen in dieser für sie feindlichen Umgebung eines Tumors deutlich zu steigern. Eine solche Erhöhung der Wirksamkeit würde allerdings gleichzeitig zum verstärkten Angriff auf gesunde Zellen führen, da die derzeit existierenden CAR-T-Zelltherapien nur bedingt zwischen Krebszellen und gesunden Zellen unterscheiden können. Starke Entzündungsreaktionen sind auch schon jetzt aus der CAR-T-Zelltherapie als potenziell gefährliche Nebenwirkung bekannt.“

Das Forschungsziel ist es, molekulare Werkzeuge zu entwickeln, mit denen CAR-T-Zellen besser kontrolliert werden können, um sie als gezielte Lenkwaffen gegen solide Tumore einsetzen zu können“, wurde Traxlmayr, der das externe CD-Labor-Modul leitet, zitiert. „Genau wie bei einem Auto brauchen wir quasi ein Gaspedal und eine Bremse, um die Aktivität der Therapie steuern zu können, da es sonst zu gefährlichen Überreaktionen kommen kann. Gleichzeitig müssen wir die Lenkbarkeit der Therapie erheblich verbessern“, erklärte Lehner.“

Forschung rettet Leben. (...) Jedes Kind, das an Kinderkrebs stirbt, ist eines zu viel. Das neue CD-Labor forscht an vielversprechenden Therapieansätzen. Die Chancen auf Heilung steigen durch solche Projekte“, erklärte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Die Einrichtung von Christian Doppler Labors (CD-Labors) ist grundsätzlich an zwei Voraussetzungen geknüpft: Einerseits muss der konkrete Bedarf eines Unternehmens an Wissen und Know-how aus der anwendungsorientierten Grundlagenforschung bestehen, andererseits braucht es die Bereitschaft von wissenschaftlicher Seite, sich diesem unternehmerischen Bedarf langfristig zu öffnen.