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„Plug and Play“ für bionische Armprothese

Einen Fortschritt bei bionischen Arm-Prothesen haben Wissenschafter der MedUni Wien erzielt. Ein Team unter Oskar Aszmann an der Universitätsklinik für Chirurgie hat in Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology (Boston) und schwedischen Wissenschaftern (Universität Göteborg) eine integrierte bionische Armprothese entwickelt, die nach dem Prinzip „Plug and Play“ einsetzbar ist.

red/Agenturen

Die Ergebnisse mit vier Patienten wurden jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht. „Der Vorteil und die Weltneuheit dieses Systems ist es, dass alle Komponenten direkt am amputierten Körperteil mit einem geschlossenen Regelkreis implantiert werden. Die Informationen laufen in die Prothese und von dort wieder zurück ins Gehirn“, wurde Aszmann in einer Aussendung zitiert. „Die Signalübertragung von der Prothese in den Stumpf und über besondere Nervenschnittstellen weiter zum Hirn des Betroffenen ist so detailliert, dass der Patient zum Beispiel einzelne Finger der Prothese in Echtzeit wahrnehmen kann.“

Dafür werden Sensoren, welche in einer Prothese des deutschen Orthopädietechnikkonzerns Ottobock mit diesbezüglichem großen Forschungs- und Produktionsstandort in Wien integriert sind, direkt mit den entsprechenden Nervenbahnen gekoppelt, sodass ein bedienerfreundliches „Plug and Play“ System geschaffen wurde, sagte Aszmann. Bei bisherigen bionischen Rekonstruktionen war teilweise wochen- oder monatelange Training nötig, um eine Prothese richtig einsetzen zu können.

Vor dem Einsatz der Prothese ist ein rund sechs- bis achtstündiger chirurgischer Eingriff nötig. Dabei wird ein Titanimplantat in den Knochen am Oberarm eingesetzt, im selben Eingriff werden die Nerven so „verkabelt“, dass die Signale sozusagen direkt in der Prothese ankommen und von dort wieder rückgeleitet werden. Die Batterie steckt direkt in der Prothese, die am Abend einfach abgenommen werden und aufgeladen werden kann.

Aszmann erläuterte: „Wir haben dieses System in den letzten vier Jahren entwickelt und sind auch mit der Langzeitstabilität der Signalübertragung extrem zufrieden.“ Angewendet wurde das System bisher bei vier Männern, die jeweils am Oberarm amputiert worden waren.