Coronavirus 

Psychologin: Routine hilft bei Krisenbewältigung

Zwar sind wir in Österreich aktuell wegen der Ausbreitung des Coronavirus mit massiven Veränderungen konfrontiert, doch hilft gerade in diesen Zeiten die Beibehaltung oder Entwicklung neuer Routinen, wie die Verhaltenstherapeutin Carmen Cihlena im Gespräch mit der APA erklärt. Zudem sei wichtig, sich „vertrauenswürdige Quellen“ für die Informationsbeschaffung zu suchen.

red/Agenturen

Das Coronavirus sei ein „externer Stressor, neu, unbekannt, unvorhersehbar und unberechenbar“, so Cihelna. Für den Umgang mit einer solchen Situation gebe es „kein Skript“, keine Handlungsanleitung wie etwa bei Influenza, weshalb sich bei vielen Menschen schnell ein Gefühl der Ohnmacht einstelle. „Wir sind in dieser Situation auf der Suche nach Orientierung“, sagt Cihelna.

Methoden, um Kontrolle wiederzuerlangen, gebe es viele - von Bagatellisierung hin zu Überreaktion und Panik, erklärt die klinische- und Gesundheitspsychologin. Eine der wichtigsten Strategien ist ihrer Ansicht nach, tägliche Routinen beizubehalten, etwa mit der Familie zu frühstücken, Mittag oder Abend zu essen. Das gibt dem aufgrund der beschlossenen Maßnahmen geänderten Alltag - Stichwort Schulschließungen und Homeoffice - Struktur und dem Individuum Halt.

Vertrauenswürdige Informationsquellen helfen bei Suche nach Orientierung

Ruhe und einen „klaren Kopf zu bewahren, selbst zu denken“, ist für Cihelna ein weiteres Mittel, um gut durch die Krisensituation zu kommen. Gerade in den letzten Tagen haben sich Falschnachrichten über Ausgangssperren und ähnliches via Facebook, Twitter und Co sehr schnell verbreitet. „Jetzt ist es besonders wichtig, sich eine Informationsquelle zu suchen, der man vertraut und nicht alle Infos über soziale Medien so anzunehmen, wie sie mir gezeigt werden“, so Cihelna. Sachliche Infos brächten Distanz, in der Folge sei auch eine bessere Einschätzung der Lage möglich.

Sobald man merkt, dass man gedanklich nicht mehr abschalten kann, sich zu sehr und konstant mit dem Thema Corona beschäftigt, „es einen zu großen Stellenwert erhält, ich es als Bedrohung empfinde“, rät die Expertin zum Austausch mit Familie und Freunden. Dadurch würden viele als bedrohlich wahrgenommene Informationen wieder relativiert, betont Cihelna. „Wenn man dann noch immer sehr besorgt ist, ist es ratsam, externe Hilfe zu suchen“, so die Therapeutin, die selbst ab kommender Woche alle Sitzungen nur mehr telefonisch und videotelefonisch abhalten kann.

Cihelna glaubt, dass die durch Covid-19 ausgelöste Krise durchaus auch positive Folgen für die Gesellschaft hierzulande haben kann: „In der Krise kommen sich die Menschen näher."

"Es findet schon jetzt eine Verlagerung vom Ich zum Wir statt.“ Das Individuum trete in den Hintergrund, das Wohlergehen aller stehe stärker im Fokus. „Das zeigen auch die ergriffenen Maßnahmen“, sagt Cihelna mit Blick auf die Appelle, Risikogruppen besonders zu schützen. „Vor dem Virus sind wir alle gleich, es macht keine Ausnahmen“.

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