Umgemodelte Zellmaschinen bremsen Alterungsprozess

Eine veränderter Bauteil bei jenen Maschinen (Ribosomen), die in Zellen Eiweißstoffe herstellen, verlängert das Leben von Würmern und Fliegen, berichten Wiener Forscher. Auch ihre Fitness, Beweglichkeit und Stressresistenz steigen dadurch. Man darf die Ribosomen aber erst bei Tieren im fortgeschrittenen Alter umbauen, denn in jungen Jahren mindert man damit ihre Fruchtbarkeit, berichtet der Wissenschaftsfonds FWF am Montag in einer Aussendung.

red/Agenturen

Ribosomen bauen Eiweißstoffe anhand der Bauanleitungen am Erbgut Stück für Stück zusammen. „Spezialisierte Ribosomen“, bei denen oft nur ein Einzelteil verändert ist, würden außerdem auf Umwelteinflüsse reagieren und akut benötigte Eiweißstoffe produzieren, erklären Johannes Grillari und Markus Schosserer vom Institut für Molekulare Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien.

Die Forscher stellten solche „spezialisierten Ribosomen“ mit veränderten Einzelteilen künstlich her, und untersuchten, wie sie sich auf das Altern auswirken. Ihre Ergebnisse wurden in den vergangenen Jahren in verschiedenen Fachjournalen veröffentlicht.

Veränderungen aber erst bei älteren Organismen hilfreich, bei jungen verringern sie die Fruchtbarkeit

Wenn die Forscher einen Einzelteil namens „NSUN-5“ (NOP2/Sun RNA Methyltransferase 5) teils oder ganz aus den Ribosomen entfernten, erhöhte sich die durchschnittliche Lebensspanne von Würmern, Fliegen und Hefezellen um bis zu 20 Prozent, berichten sie: „Auch die Fitness wurde besser.“ Würmer und Fliegen zeigten daraufhin mehr Beweglichkeit, und Hefezellen konnten aggressive Sauerstoffverbindungen, die normalerweise etwa die Zell-Alterung beschleunigen, weniger anhaben.

Auch eine Veränderung bei „NSUN-1“ bewahrte Fadenwürmer teils vor Alterungsprozessen. „Diesen positiven Effekt konnten wir aber nur bei Organismen im höheren Alter feststellen“, so Schosserer, bei jungen Tieren hat die Modifikation die Fruchtbarkeit verringert. Aktuelle Experimente bei Mäusen würden zeigen, dass solche Modifikationen auch bei Säugetieren das Altern aufschieben können. „In der Praxis könnte dies eines Tages neue Interventionen für Patienten bedeuten“, meint Grillari.

Internet: „eLife“ (2020): https://doi.org/10.7554/eLife.56205; „Nucleic Acid Research“ (2019): https://doi.org/10.1093/nar/gkz1043; „Nature Communications“ (2015): https://doi.org/10.1038/ncomms7158)