Wiener Forscher entziehen Tumor seine Tarnung

Einen neuen Weg, um einem Tumor seine Tarnung vor dem Abwehrsystem wegzunehmen, stellen Forscher der Universität Wien im Fachjournal „Molecular Therapy Oncolytics“ vor. Indem sie Erbgut-Sequenzen in Tumorzellen einbringen, wird ein Protein namens „CD47“ blockiert, das der entarteten Zelle als Schutz vor Fresszellen dient. Gleichzeitig versenden Zellen dann einen Botenstoff, der das Immunsystem stimuliert.

red/Agenturen

Gesunde Zellen können sich mit „CD47“ gegenüber Fresszellen, die Teil der Immunabwehr des Körpers sind, quasi ausweisen. Denn auf den Immunzellen gibt es ein Protein, das dort andocken kann. Geschieht das, wird die Zelle nicht angegriffen.

Allerdings bilden auch Krebszellen vermehrt „CD47“ aus, das ihnen dann als Schutz vor den Abwehrzellen dient. Blockiert man das Protein mit Medikamenten, werden die Tumorzellen zwar vermehrt angegriffen, allerdings geht so auch normales Gewebe oder rote Blutkörperchen der Unbedenklichkeitsnachweis verloren. Dementsprechend viele Nebenwirkungen hat der Ansatz, weil auch gesunde Zellen dann ins Fadenkreuz der Fresszellen geraten.

Die Wiener Forscher um Manfred Ogris vom Department für Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Wien schleusten nun gezielt in Brustkrebs-Gewebeproben DNA-Sequenzen ein, die die Bildung eines Proteins anstoßen, das als "CD47"-Blocker fungiert. Dies entzieht den Tumorzellen nicht nur ihre Tarnung, sondern aktivierte auch die Produktion eines sogenannten Fusionsproteins in anderen Zellen, das wiederum Immunzellen in der Zellumgebung alarmierte, heißt es am Dienstag in einer Aussendung der Uni Wien. So wurde in den Gewebeproben das Tumorwachstum eingebremst bzw. in einem Drittel der Fälle sogar zurückgedrängt.

„Wir konnten beobachten, dass durch diese Behandlung Fresszellen in den Tumor einwanderten. An der Therapiewirkung waren auch andere Immunzellen beteiligt, die die mit dem Fusionsprotein markierten Tumorzellen erkannten und zerstörten. Besonders erfreulich: Diese Wirkung blieb auf Tumorzellen beschränkt und es traten keinerlei Nebenwirkungen in Organen auf", so Ogris. Der Ansatz soll nun in vorklinischen Studien weiterentwickelt werden.

https://doi.org/10.1016/j.omto.2021.09.005