Buchrezension
Buchrezension

„Im Wechsel": Weg vom gesellschaftlichen Tabu

Von Hitzewallungen über Schlafstörungen bis hin zu neurologischen Problemen reicht die Palette der Symptome rund um die so genannten Wechseljahre. Der Hormonspezialist Peter Frigo beschäftigt sich in seinem kürzlich erschienenen Buch „Im Wechsel“ mit Mythen rund um Menopause, Perimenopause und Co., spart auch vermeintliche Tabuthemen wie nachlassende Libido und Sexualität nicht aus und präsentiert klare Handlungsempfehlungen, um Beschwerden zu begegnen. Ein faktenreicher Ratgeber für Ärzt:innen und Patient:innen gleichermaßen.

Eva Kaiserseder

Die Wechseljahre gelten oft als Synonym für weibliche Krise. Warum? Ein mehr oder weniger abrupter Hormonabfall mit all seinen Konsequenzen, auch psychischer Natur, zeichnet dafür verantwortlich, dass sich bei vielen Frauen in dieser Phase das Leben deutlich spürbar verändert. Seien es Schlafstörungen, Schweißausbrüche oder Gefühlsschwankungen bis hin zu depressiven Symptomen, die Bandbreite ist groß. Und vielfach verunsichernd.

Peter Frigo, Hormonspezialist und unter anderem Leiter der Hormonambulanz an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien, will mit seinem Buch diese Unsicherheiten reduzieren. Das schafft er mit vielen profunden Fachinformationen und Fallbeispielen, die auch für medizinische Laien verständlich und interessant aufbreitet sind. Zudem fordert Frigo mit seinem Buch einen grundsätzlich optimistischeren und empathischeren Blick auf den Wechsel seitens der Gesellschaft und auch der Medizin ein. Die Akzeptanz dieses neuen Lebensabschnitts und das Wissen um dessen Vorteile seien die wichtigsten Voraussetzungen dafür, diesen Jahren zuversichtlich zu begenen, so der Autor. Sein Buch bietet sich hier als Nachschlagwerk und Ideenkasten bestens an.

Der Autor im Kurzinterview

medinlive: Was sind die häufigsten Anliegen, mit denen Patientinnen im Rahmen der Wechseljahre zu Ihnen kommen?

Peter Frigo: Die häufigsten Anliegen sind die klassischen Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche und Schlafprobleme. Ein wichtiges Thema ist auch die Gewichtszunahme, die besonders in der Menopause aktuell wird.

medinlive: Wie hat sich die Sichtweise der Mediziner:innen und der Gesellschaft auf die Thematik verändert?

Frigo: Die Medizin hat erkannt dass die Menopause ein besonders wichtiger Lebensabschnitt der Frau ist, in dem viele Weichen gestellt werden, angefangen von allgemeinen Untersuchungen (wie z.B. die Gesundenuntersuchung) bis hin zu Lifestyleveränderungen wie Sport oder Ernährungsumstellung.

Und gesellschaftlich ist die Enttabuisierung der Menopause und damit auch der menopausalen Beschwerden in den letzten Jahrzehnten vorangeschritten - nicht zuletzt haben sich auch viele Schauspielerinnen als „menopausal" sozusagen geoutet.

medinlive: Ein Thema, das viele Frauen umtreibt, sind Hormonersatztherapien. Wie ist Ihre Empfehlung dahingehend, in welchen Fällen sind sie angebracht, wo machen sie Sinn?

Frigo: Prinzipiell ist diese Frage sehr wichtig. Eine Hormonersatztherapie ist nach heutiger Meinung nur bei schweren klimakterischen Beschwerden einzusetzen; als Vorbeugung oder aber auch gegen Osteoporose sollte sich nicht eingesetzt werden; so ist Vitamin D und Calcium sowie sportliche Betätigung als Vorbeugung gegen Osteoporose genauso wirksam.

Frigo, Peter: Im Wechsel. Carl Ueberreuter Verlag. Hardcover, 196 Seiten. 25 Euro. 

medinlive verlost eine Ausgabe des Buches. Zusendungen mit Namen und Adresse bitte bis 14. August 2023 an redaktion@medinlive.at.

 

Cover "Im Wechsel"
Frigo, Peter: Im Wechsel. Carl Ueberreuter Verlag. Hardcover, 196 Seiten. 25 Euro.
Ueberreuter
Peter Frigo
Der 1963 geborene Peter Frigo ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Hormonspezialist.
Birgit Francan
„Gesellschaftlich ist die Enttabuisierung der Menopause und damit auch der menopausalen Beschwerden in den letzten Jahrzehnten vorangeschritten"- Peter Frigo.
 
© medinlive | 12.04.2024 | Link: https://www.medinlive.at/gesellschaft/im-wechsel-weg-vom-gesellschaftlichen-tabu