Aktivismus

Klima-Aktion der „Letzten Generation“ beim Wiener Westbahnhof

Mitglieder der Klimaschutz-Gruppe „Letzte Generation“ sind am Mittwoch vor dem Wiener Westbahnhof auf die Straße gegangen. Aktivistinnen und Aktivisten klebten sich teils mit jeweils einer Hand auf zwei Schutzwege und behinderten somit den Verkehr auf dem Inneren und Äußeren Gürtel. Die Polizei löste den Protest nach kurzer Zeit auf und nahm elf Aktivisten fest. „Es müssen uns viel mehr Menschen zuhören“, forderte ein Mitglied der Gruppe an Ort und Stelle.

red/Agenturen

„Sind die deppat? Kann man die nicht picken lassen?“ - Die Blockade der Klima-Aktivisten der „Letzten Generation“ am 8 Uhr zog zahlreichen Unmut von Autofahrern und Autofahrerinnen auf sich. Auf die Aktion folgten Hupkonzerte oder Schimpftiraden. Während sich die Lenker und Lenkerinnen noch hitzige Diskussionen mit den Protestierenden lieferten, begann die kurze Zeit später alarmierte Polizei mit der Auflösung der Versammlung. Wenige Minuten später wurde die erste Spur wieder für den Verkehr freigegeben.

Um 8.47 Uhr trug die Polizei die letzte Aktivistin von der Fahrbahn. Laut Sprecherin Barbara Gass wurden alle der beteiligten Aktivisten festgenommen. Die Exekutive stand erneut mit einem Großaufgebot und mehreren Einheiten im Einsatz.

Solidarisch mit den Aktivisten zeigte sich Stadträtin Judith Pühringer von den Wiener Grünen. „Das ist eine Generation, die zurecht protestiert“, sagte Pühringer im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Die Auswirkungen der Klimakrise beträfen schließlich alle, hieß es weiter.

Weitere Blockaden geplant

Laut ÖAMTC reichte der Stau auf dem Äußeren Gürtel zeitweise bis zur Thaliastraße. Auf dem Inneren Gürtel habe sich die Verkehrsstörung etwas schneller aufgelöst, so der Verkehrsclub. Betroffen waren auch die Hütteldorfer Straße, die Felberstraße und die Burggasse. Noch bis Ende kommender Woche sind Blockaden geplant. Der ÖAMTC rät dazu, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder auf Umwege auszuweichen.

Die Protestierenden fordern die Bundesregierung seit längerer Zeit auf, „der Wissenschaft endlich zuzuhören - und in der Klimakrise wenigstens die billigsten, einfachsten Schutzmaßnahmen umzusetzen: ein Verbot neuer Öl- und Gasbohrungen, und Tempo 100 auf der Autobahn“. Eine Umstellung auf erneuerbare Energien und Öffis benötige Zeit, „die wir nicht haben“, argumentieren die Aktivisten mit einem Verweis auf die EU. Auch diese empfehle eine Temporeduktion auf Autobahnen.

Die Treibhausgasemissionen in Österreich sind im 2021 gegenüber dem ersten Pandemiejahr 2020 um 4,9 Prozent gestiegen, wie das Umweltbundesamt kürzlich mitteilte. Umweltschutzorganisationen sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung. Allein 830.000 Tonnen CO2 pro Jahr können laut Umweltbundesamt durch Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen und Tempo 100 statt 130 auf Autobahnen vermieden werden. NGOs und viele Experten aus der Wissenschaft fordern die Bundesregierung zudem auf, das längst überfällige Klimaschutzgesetz umzusetzen.

Maßnahmen im Dienste der Umwelt notwendig

Ohne rasche und tiefgreifende Maßnahmen wie einen Förderungs- und Verbrennungsstopp fossiler Brennstoffe werden die Pariser Klimaziele laut Expertinnen und Experten nicht zu erreichen sein. Die Umsetzung des Zieles, den globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad, gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, werde von vielen Staaten viel zu schleppend umgesetzt, betont die Wissenschaft. Auch Österreich sei dabei säumig.

Der im Vorjahr veröffentlichte jüngste Bericht des Weltklimarats IPCC warnte erneut vor den „roten Ampeln“ der bereits gegenwärtig wirkenden Klimakrise. Ein Überschreiten drohe die Erde in Zukunft zu einem für Menschen unbewohnbaren Planeten zu verwandeln. Österreich stößt pro Kopf laut unterschiedlichen Berechnungen überdurchschnittlich viele Treibhausgase aus und liegt deutlich über dem Schnitt der Weltbevölkerung.

Kleber Klebstoff Kleister
Aktivistinnen und Aktivisten klebten sich auf zwei Schutzwege.
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