Ärztegesetz

Alternativmedizin soll Ärzten vorbehalten sein

Ein Reformentwurf des Gesundheitsministeriums sieht eine Ergänzung des Berufsbildes für Ärzte vor, wie der „Standard“ am Dienstag in seiner Onlineausgabe berichtete.

red

Die Bundesregierung will das Berufsbild des Arztes ausweiten und Alternativmedizin darin gesetzlich festschreiben. Bisher umfasst die Ausübung des Arztberufs laut Gesetz „jede auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit“. Der Entwurf des Gesundheitsministeriums sieht nun die Ergänzung „... einschließlich komplementär- und alternativmedizinischer Heilverfahren“ vor. Er befindet sich derzeit in Begutachtung.

Szekeres: „gehört in Hände von Ärzten“

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres begrüßt dem Bericht zufolge die vorgesehene Änderung: Dass Alternativmedizin existiert, sei ein Faktum – und „wenn, dann gehört das in die Hände von Ärzten“, sagte Szekeres gegenüber dem „Standard“. Es müsse verhindert werden, dass jemand keine schulmedizinische Versorgung bekommt, wenn er sie braucht. Wenn die Reform das sicherstellen kann, sei das zu begrüßen. „Es geht um die Sicherheit der Patienten.“

Ähnlich argumentiert auch Kammeramtsdirektor Thomas Holzgruber. Wenn Alternativ- und Komplementärmedizin eingesetzt wird, „dann nur von ausgebildeten Ärzten", denn diese unterliegen auch dem Sonderdisziplinarrecht, weist Holzgruber hin. „Das unterscheidet uns von vielen anderen europäischen Ländern, wo Alternativ- und Komplementärmedizin auch zum Beispiel von Heilpraktikern praktiziert werden kann“, „das möchte man verhindern“, so der Kammeramtsdirektor auf Nachfrage von „medinlive“.

NEOS sehen „bedenklichen Freibrief“

Kritik kam von den NEOS. „Verantwortungslos und absolut nicht nachvollziehbar“ nennt NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker den Vorschlag des Ministeriums: „Das ist ein bedenklicher Freibrief für die Anwendung von esoterischen Verfahren durch Ärztinnen und Ärzte“, sagt er laut Aussendung. Die Regierung wolle mit dem Festschreiben der Alternativmedizin im Ärztegesetz „den Anspruch der Versicherten auf echte medizinische Leistung aushöhlen, indem diese jetzt als Teil der Aufgaben des Arztberufes definiert wird“.

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