Krebs

Defizite bei Versorgung in der letzten Lebensphase

Die aktuelle  Regierung ist bei der Umsetzung der im Koalitionspakt vorgesehenen Verbesserung in der Palliativversorgung auch für schwerst Krebskranke laut Österreichischer Krebshilfe offenbar säumig. „Es gibt sehr viel Papier und wenig Umsetzung", sagte der Präsident der Organisation, Paul Sevelda, am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

red

„Die Überlebensdauer von Krebspatienten hat sich in den vergangenen Jahren um 25 Prozent erhöht. Patienten können geheilt werden. Es ist aber auch so, dass Patienten irgendwann einmal pflegebedürftig werden", sagte der Wiener Onkologe Christoph Zielinski aus Anlass des bevorstehenden Welt-Krebs-Tages am kommenden Montag, dem 4. Februar, bei der Pressekonferenz in Wien.

Früher erfolgende Diagnosen von Krebserkrankungen und vor allem die Fortschritte der Medizin in der Therapie bösartiger Erkrankungen mit zielgerichteten Medikamenten und den neuen Immuntherapeutika führen dazu, dass immer mehr dieser Leiden zumindest zeitweise in chronische Erkrankungen übergeführt werden können. Das führt zu mehr Menschen, die mit diesen Diagnosen leben und schließlich auch zu mehr Personen, die auf intensive Hilfe am Lebensende angewiesen sind.

Betreuung von Krebskranken oft bei privaten Iniativen und Hilfsorganisationen

Sevelda betonte, dass es enormen Aufholbedarf gäbe, was die Betreuung im letzten Lebensabschnitt betrifft. Einerseits sei mehr Personal für die Palliativversorgung notwendig, andererseits müssten die Menschen lernen, mit Betroffenen offene Worte über das nahe Lebensende sprechen. "Das sind oft harte und emotionale Gespräche. Aber die muss man führen." Derzeit liege die Betreuung von Krebskranken im letzten Lebensabschnitt in Österreich sehr oft bei privaten Initiativen und Hilfsorganisationen, zum Beispiel bei der Caritas. „Die Caritas ist völlig unverständlicherweise in eine politische Diskussion gekommen", kritisierte der Präsident der Österreichischen Krebshilfe.

Die politisch Verantwortlichen sollten jedenfalls - so Zielinski - die Bedürfnisse der Krebskranken und ihrer Angehörigen ernst nehmen : „400.000 bis 600.000 Menschen sind direkt oder indirekt betroffen. Das ist eine wahlentscheidende Gruppe." Wien sei im Vergleich sehr gut aufgestellt. Aber, so Zielinski weiter: „Ich stehe nicht an, zu sagen, dass das niederösterreichische Gesundheitswesen darauf basiert, dass Wien in der Mitte liegt." Ein Drittel der niederösterreichischen Krebspatienten würde medizinisch in Wien versorgt.

Insgesamt, so die Experten, habe sich in der Palliativversorgung trotz zweier parlamentarischer Enqueten und entsprechender Beschlüsse im Parlament sowie Plänen im schwarz-blauen Regierungsabkommen wenig geändert. Die Ärztliche Direktorin des Wiener AKH, Präsidentin der Initiative „Leben mit Krebs" und Onkologin, Gabriela Kornek meinte: „Wir brauchen in der Palliativversorgung mehr Personal. Das muss auch attraktiver werden. Auf Palliativstationen arbeiten wir mit einem Personalschlüssel wie auf Intensivstationen mit zwei- bis dreimal soviel Personal wie auf Normalstationen."

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