Psychologie

Jesper Juul ist tot

Der dänische Familientherapeut und Bestseller-Autor ist nach langer und schwerer Krankheit am Donnerstag bei sich zu Hause in der dänischen Kleinstadt Odder friedlich eingeschlafen, sagte der Gründer und Leiter der Organisation Familylab Deutschland, Mathias Voelcher.

ek/Agenturen

Juul hatte 2012 die Diagnose Transverse Myelitis erhalten, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Rückenmark durch eine Entzündung blockiert wird. Seit Jahren hatte er starke Schmerzen gehabt, gegen die auch Medikamente nicht geholfen hätten. „Er hat jetzt sieben Jahre gekämpft, jetzt ging es nicht mehr“, sagte Voelchert. Juul wurde 71 Jahre alt.

Juul galt als einer der führenden Familienexperten und verfasste zahlreiche Erziehungsratgeber wie „Dein kompetentes Kind“. Er hatte 2004 die Organisation Familylab International gegründet, die sich auf die Beratung von Eltern in Erziehungsfragen spezialisiert hat. 2006 gründete Voelchert dann den deutschen Familylab-Ableger.

Zentrales Thema von Juuls Arbeit sei die Gleichwürdigkeit gewesen, sagte Voelchert über seinen Weggefährten. Unter dem Begriff versteht man, dass Kinder und Schwache dieselben Rechte wie andere in der Gesellschaft haben. Sich selbst bezeichnete Juul in einem Interview mit der deutschen Frauenzeitschrift „Brigitte“ einmal als „furchtbaren Vater, zumindest in den ersten Jahren“.  Er sei sehr streng mit seinem Sohn gewesen und habe von ihm den gleichen Gehorsam eingefordert, „den meine Eltern mir abverlangt haben. Und weil ich in Konflikten auf ihn mit der Weisheit eines dreijährigen Kindes reagiert habe.“ Diese Authentizität und die Ehrlichkeit mit sich selbst zeichnete auch Juuls Schriften und Ideen aus.