Arbeitnehmer

Deutlicher Anstieg beim Psychopharmaka-Konsum

Eine aktuelle Studie des WIFO im Auftrag der AK Oberösterreich zeigt ein wachsendes Plus des Psychopharmaka-Konsums unter Arbeitnehmern: Pro Kopf gerechnet konsumierten Oberösterreichs Beschäftigte 2016 diese um 60 Prozent häufiger als noch 2005.

red

Während der Psychopharmaka-Konsum bei Arbeitnehmern über 30 in den letzten Jahren stagniert, ist er bei den Jüngeren weiter angestiegen. Absolut gesehen konsumieren aber die Älteren etwa doppelt so häufig Psychopharmaka wie die Beschäftigten unter 30. Frauen weisen einen mehr als doppelt so hohen Psychopharmaka-Konsum wie Männer auf.

Frauen sind auch deutlich häufiger wegen psychischer Erkrankungen im Krankenstand als Männer. Obwohl in den letzten Jahren eine leichte Trendumkehr stattgefunden hat, zählen psychisch bedingte Krankenstände nach wie vor zu den wichtigsten Krankenstandsursachen: Sie verursachen etwa zehn Prozent der Fehlzeiten. Konkret gingen 2016 bei Frauen 13,4 Prozent der Krankenstandstage auf psychische Probleme zurück, bei Männern waren es 7,1 Prozent. Diese Entwicklung setzt sich bei den Invaliditätspensionen fort: In den letzten Jahren gingen deutlich mehr als 30 Prozent der anerkannten Invaliditätspensionsanträge auf psychische Störungen und Verhaltensstörungen zurück.

Eine Besonderheit psychisch bedingter Krankenstände ist ihre Dauer: Im Schnitt dauert ein psychisch bedingter Krankenstand 33,2 Tage und ist damit fast viermal länger als der Gesamtdurchschnitt von 8,8 Tagen. Besonders markant zeigt sich der Unterschied bei besonders langen Krankenständen: Fast jeder zehnte psychisch bedingte Krankenstand dauert länger als 14 Wochen. Bei den Krankenständen insgesamt trifft das nur auf ein Hundertstel der Fälle zu.

Zeitdruck als häufigste psychische Belastungsquelle

Lange Krankenstände erhöhen drastisch das Risiko, die Beschäftigung zu verlieren. Vergleiche zwischen Personen ohne Krankenstand mit kurzen oder mit langen Krankenständen zeigen sehr eindeutige Ergebnisse. Bei psychisch bedingten Krankenständen verschärft sich diese Situation: Ein Jahr nach Krankenstandsbeginn ist weniger als die Hälfte (44 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen) der psychisch Erkrankten noch im selben Beschäftigungsverhältnis. Bei anderen Beschäftigten mit einem langen Krankenstand sind es dagegen 72 Prozent der Männer und 67 Prozent der Frauen.

Der erhöhte Psychopharmaka-Konsum und die Zunahme der psychisch bedingten Krankenstände gehen auch auf die wachsenden Belastungen in der Arbeitswelt zurück. Laut Arbeitsgesundheitsmonitor sind 30 Prozent aller Beschäftigten in Österreich als „psychisch höher belastet“ einzustufen, zehn Prozent sogar „sehr hoch“. Dabei ist Zeitdruck in der Arbeit die am häufigsten genannte psychische Belastungsquelle. Ein Viertel fühlt sich dadurch sehr stark oder stark belastet. Die Gründe für Zeitdruck sind zahlreich: knappe Planung und damit verbundene Termine und Deadlines, Personalmangel, Digitalisierung und Umstrukturierungen.

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