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Britische NGO

„Adipositas verursacht mehr Fälle vier häufiger Krebsarten als Rauchen“

Adipositas verursacht in Großbritannien inzwischen mehr Fälle von Darm-, Nieren-, Eierstock- und Leberkrebs als Rauchen, warnt eine britische Krebsforschungsorganisation. Im Kampf gegen die Fettleibigkeit hat Großbritannien eine Zuckersteuer auf Softdrinks eingeführt. Diese will der Favorit für den Posten des britischen Premierministers, Boris Johnson, nun allerdings prüfen lassen.

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Fettzellen bilden zusätzliche Hormone und Wachstumsfaktoren, die den Zellen im Körper anweisen, sich häufiger zu teilen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Krebszellen gebildet werden. Während die Zahl der Raucher rückläufig ist, nehmen die Fälle adipöser Menschen in Großbritannien zu, warnt Cancer Research UK am Mittwoch gegenüber der „BBC“.  

Die Warnung erfolgt zu einer Zeit, in der Tory-Führungsanwärter Johnson erklärte, die 2016 eingeführte Zuckersteuer umzukehren. Unklar ist auch, ob die Zuckersteuer auf zuckerhaltige Milchgetränke (auch bekannt als Milchshake-Steuer) ausgeweitet werden soll. 

Etwa ein Drittel der britischen Erwachsenen ist fettleibig. Laut Angaben der „BBC“ gibt es im Vereinigten Königreich rund 13,4 Millionen fettleibige Erwachsene, die nicht rauchen, 6,3 Millionen erwachsene Raucher, die nicht fettleibig sind und 1,5 Millionen fettleibige, erwachsene Raucher. Während der Zusammenhang zwischen Adipositas und Krebs bestätigt ist, sind die biologischen Mechanismen dahinter noch nicht vollständig geklärt.

Appell an Politik

Laut Cancer Research UK sind 13 verschiedene Krebsarten mit Fettleibigkeit assoziiert: Brustkrebs (bei Frauen nach der Menopause), Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Leberkrebs, Nierenkrebs, Oberbauchkrebs, Gallenblasenkrebs, Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs, Schilddrüsenkrebs, Multiples Myelom (Blutkrebs) und Meningiom (Gehirnkrebs).

Linda Bauld, Präventionsexpertin von Cancer Research UK, appelliert an die Regierung mehr gegen das Problem der Fettleibigkeit in Großbritannien zu unternehmen. „Während wir uns der gesundheitlichen Risiken des Rauchens bewusst sind, wurde kaum Aufwand betrieben, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen, die heute eine der Hauptursachen für Krebs ist“, so Bauld gegenüber der „BBC“. 

In dieselbe Kerbe schlägt Simon Stevens, Geschäftsführer des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS England): „Der NHS kann den Kampf gegen die Bäuche nicht alleine gewinnen (...) Familien, Lebensmittelunternehmen und die Regierung müssen alle ihren Teil dazu beitragen, um nicht dem schädlichen und kostspieligen Beispiel Amerikas zu folgen.“

Adipös
Laut einer am Samstag veröffentlichten Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) erhöht Fettleibigkeit das Risiko, an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 zu sterben, um 40 Prozent.
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