Magenbypass normalisiert Sexualhormone von adipösen Männern

Für extrem adipöse Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 40 kann eine bariatrische Operation einen erheblichen Teil ihrer gesundheitlichen Probleme deutlich bessern. Wiener Wissenschafter haben vor kurzem in einer Studie bei Männern neben der Gewichtsabnahme einen weiteren Effekt nachgewiesen: Eine Normalisierung der Sexualhormone abhängig vom Gewichtsverlust.

red/Agenturen

Durch das extreme Übergewicht hervorgerufener Testosteronmangel (sogenannter Adipositas-bedingter sekundärer Hypogonadismus - MOSH) sei „eine häufige Erkrankung unter Männern mit Adipositas“, schrieben die Autoren um Gerhard Prager von der Chirurgischen Universitätsklinik der MedUni Wien/AKH vor kurzem in ihrer Studie, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Surgery for Obesity and Related Diseases“ erschienen ist.

Adipositas, ein BMI von mehr als 30, extrem dann bei einem BMI von mehr als 40, beeinträchtigt zahlreiche Stoffwechselfunktionen. Klassisch sind beispielsweise das Auftreten von Typ-2-Diabetes und von Fettstoffwechselstörungen (Cholesterin, Atherosklerose) etc. Wenn keine anderen Maßnahmen helfen, sind bariatrische Eingriffe - Magen-Bypass-Operationen unterschiedlicher Form - ein gutes Mittel, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Laut Literaturangaben (MSD Manual) unterziehen sich allein in den USA jährlich 160.000 Menschen einer solchen Operation. Diese Anzahl mache beinahe zwei Drittel der Gesamtzahl bariatrischer Verfahren weltweit aus. Durch einen derartigen chirurgischen Eingriff könnten Patienten mindestens die Hälfte ihres Übergewichts mit einer Bandbreite von mehr als 35 Kilogramm bis hin zum etwa Doppelten abnehmen.

Wiener Experten wiesen neben Gewichtsabnahme positive hormonelle Effekte nach

Um die Effekte dieser Operationen auf den Hormonhaushalt von Männern zu belegen, analysierten die Wiener Autoren die Daten von anfänglich 224 Patienten, die sich zwischen Juli 2012 und Dezember 2017 einer Magen-Bypass-Operation unterzogen hatten. Ihr Gewicht hatte zum Zeitpunkt des Eingriffes (zwei unterschiedliche Arten von Bypass-Operationen) an die 150 Kilogramm betragen. Der eindeutige Gewichtserfolg bei den Betroffenen in der Endauswertung der Studie: Egal mit welchem Verfahren sie operiert worden waren, sie verloren etwa 85 Prozent ihres Übergewichts im Zeitraum von 18 bis 24 Monate nach dem Eingriff.

Im Rahmen der Nachbeobachtungszeit stellten sich aber in dieser in ihrer Art bisher größten wissenschaftlichen Untersuchung zum Hormonhaushalt männlicher Patienten mit Magen-Bypass-Operationen auch deutlich positive Effekte in diesem Bereich ein. Knapp 31 Prozent hatten vor dem Eingriff an einem durch die Adipositas hervorgerufenen Testosteronmangel (MOSH) gelitten, was auch zu Libidoverlust, Depressionen, erektiler Dysfunktion, Infertilität, eventuell auch zu Osteoporose, führen kann. Im Rahmen der Studie wurden regelmäßig die Konzentrationen an Gelbkörperhormon, Follikel-stimulierendem Hormon, Gesamt-Testosteron, dem Sexualhormon-bindenden Globin, von 17 Beta-Estradiool und Androstenedion im Blut gemessen. Die Konsequenz aus dem chirurgischen Eingriff, so die Wissenschafter: „Es kam zu einem signifikanten Anstieg des Gesamt-Testosterons, der zu einem vollständigen Verschwinden des Hormondefizits führte.“ Diese Wirkung sei offenbar abhängig von der erreichten Reduktion der Adipositas.

Bariatrische Operationen waren ehemals umstritten und anfänglich auch mit relativ häufigen Komplikationen verbunden. Das hat sich stark gewandelt. „Chirurgische Eingriffe gehören zu den erfolgreichsten Interventionen, um Menschen mit extremer Adipositas zu einem Gewichtsverlust zu helfen“, stellte der Wiener Endokrinologe Hannes Beiglböck beispielsweise anlässlich des europäischen Diabetologenkongresses in Wien im Oktober 2021 fest. Allerdings, er und andere Experten haben damals auch deutlich erhöhte Komplikationsraten bei Männern nach solchen Operationen nachgewiesen. Bei der Analyse der Ergebnisse von 19.901 österreichischen Patienten (rund 14.700 Männer, rund 5.200 Frauen; Operationen zwischen 2010 und 2018) zeigte sich ein krasser Unterschied in der 30-Tages-Mortalität nach den Operationen: Da starben 0,5 Prozent der Männer und 0,1 Prozent der Frauen. Diese Differenz war statistisch hoch signifikant.