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„Health at a Glance Europe 2018“

Österreich zählt EU-weit zu den ungesündesten Ländern

Beim Konsum von Alkohol und Nikotin belegt Österreich einer OECD-Studie zufolge eine „Spitzenposition“. Vor diesem Hintergrund fordert die Ärztekammer vermehrt Anstrengungen in Sachen Prävention und gesunder Lebensführung.

red

Nach wie vor ist Österreich nahezu Spitzenreiter, wenn es um Alkoholmissbrauch, Rauchen oder schlechte Ernährung geht. Das geht aus der jüngsten „Health at a Glance“-Studie hervor, die alle zwei Jahre die Gesundheitsdaten europaweit erhebt und miteinander vergleicht.

Für Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sind die Studienergebnisse ein besorgniserregendes Indiz dafür, dass die Gesundheitspolitik in Österreich auch weiterhin zu wenige Akzente hinsichtlich gesunder Lebensführung und Prävention setzt und diese zum Teil sogar konterkariert - Stichwort: Rücknahme eines generellen Rauchverbots in der Gastronomie. Er fordert einen österreichweitern Schulterschluss aller Gesundheitsplayer, um Österreich zumindest an die Durchschnittswerte innerhalb der EU heranzubringen, insbesondere beim Rauchen und Alkoholkonsum.

Zu viele Raucher in Österreich

Bei den Erwachsenen liegt Österreich mit 25 Prozent regelmäßigen Rauchern deutlich über dem EU-Schnitt (20 Prozent). Damit ist Österreich Spitzenreiter unter den west- und mitteleuropäischen Staaten. Die geringste Raucherquote hat Schweden mit 11 Prozent, die höchste Bulgarien mit 28 Prozent, gefolgt von Griechenland mit 27 Prozent und Ungarn mit 26 Prozent. Die signifikantesten Rückgänge bei den Rauchern sind in Dänemark, in Irland und in Deutschland zu registrieren.

Frauen rauchen zwar immer noch deutlich weniger als Männer, in Österreich ist jedoch die Lücke zwischen Männern und Frauen eine der geringsten – 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen rauchen hierzulande. Zum Vergleich: In Rumänien rauchen 33 Prozent der Männer, aber nur 8 Prozent der Frauen, in Portugal gibt 24 Prozent männliche Raucher, aber nur 10 Prozent Raucherinnen.

„Position als Schlusslicht einzementiert“

28 Prozent der 15- bis 16jährigen Österreicher rauchen – wobei hier ein gewisser Hoffnungsschimmer existiert, bedeuten die aktuellen Zahlen doch einen Fortschritt im Ranking, denn Österreich konnte die „Laterne“ abgeben und wurde mittlerweile von Italien, Bulgarien, Kroatien und der Slowakei überholt. Die vergleichsweise größte Raucherabstinenz bei Jugendlichen herrscht in Schweden und Irland mit jeweils 13 Prozent und Belgien mit 15 Prozent. Belgien und Irland waren aber auch eine der ersten EU-Länder, die Rauchverbote durchsetzten.

Für Szekeres ist es daher unverständlich, dass ungeachtet der dramatischen Zahlen die österreichische Regierung weiterhin daran festhält, das Rauchen in Österreichs Lokalen zu gestatten. Hier werde wissentlich die Gesundheit der Österreicher, und insbesondere der in der Gastronomie Tätigen, gefährdet. Szekeres: „Unsere Position als Schlusslicht und Aschenbecher Europas wird damit für die nächsten Jahre einzementiert.“

„Trinkerparadies“ Österreich

Auch in Sachen Alkoholkonsum ist Österreich nach wie vor eines der Spitzenländer europaweit, 11,4 Liter Alkohol konsumieren die Österreicher im Durchschnitt pro Jahr. Im „Weinland“ Frankreich sind es zum Vergleich 11,7 Liter. Die geringste Alkoholmenge konsumiert man - entgegen aller Klischees – in Griechenland mit 7,0 sowie in Italien mit 7,1 Liter.

Wenigstens beim Drogenkonsum liegt Österreich, was die Jugendlichen betrifft, im positiven oberen Drittel: 6 Prozent der EU-Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren haben illegale Drogen - Cannabis zählt nicht dazu – konsumiert, in Österreich sind es „nur“ 5 Prozent, in Bulgarien 11 Prozent und in Frankreich und Italien 7 Prozent.

14 Prozent der Österreich fühlen sich zu dick

Übergewicht und Fettsucht sind fixer Bestandteil der Wohlstandsgesellschaft – und damit wohl eines der gravierendsten Probleme nach dem Rauchen, was die Auswirkung auf die Gesamtgesundheit betrifft. Direkte Folgen von Übergewicht sind Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebserkrankungen, insbesondere Darm- und Blutkrebs. 

Im EU-Schnitt sind 12 Prozent der Sieben- bis Achtjährigen übergewichtig (EU-23, fünf Staaten ohne Angabe). Österreich liegt mit 9 Prozent gerade noch unter dem EU-Schnitt. Die Fettleibigkeit ist bei den Buben stärker ausgeprägt als bei den Mädchen. In Österreich sind 13 Prozent der Buben fettsüchtig, aber nur 6,2 Prozent der Mädchen.

Hohe Korrelation zwischen Bildungsgrad und Fettleibigkeit

Bei den Erwachsenen ist die Situation ungleich dramatischer. Im EU-Schnitt fühlen sich 16 Prozent der Bevölkerung als zu dick beziehungsweise fettsuchtgefährdet, in Österreich sind es 14 Prozent. Die gesündesten und am wenigsten übergewichtigen Menschen sind in Rumänien mit 9 Prozent sowie in Italien mit 10 Prozent zu finden.

Generell lässt sich sagen, dass, je ärmer und ungebildeter die Menschen sind, desto übergewichtiger sind sie auch. Menschen mit niedrigem Bildungshorizont fühlen sich demnach zu 20 Prozent europaweit als übergewichtig (Österreich: 21 Prozent, Deutschland 22 Prozent).

Szekeres: „Gesundheitserziehung bereits ab dem Kindergartenalter”

Für Szekeres sind die Ergebnisse der aktuellen „Health at a Glance”-Studie „ein Gebot der Stunde, sowohl mit den Betroffenen als auch mit der Politik alles dafür zu tun, um Erkrankungen zu lindern beziehungsweise erst gar nicht entstehen zu lassen. „In einer alternden Gesellschaft, in der bald 60 Prozent der Beschäftigten über 40 Jahre alt sind, sind die Themen Prävention und Gesundheitsförderung so wichtig wie noch nie. Wir alle verfolgen hier das Interesse, den Menschen ein noch größeres Bewusstsein für sich selbst und damit auch für ihre eigene Gesundheit zu vermitteln.”

Letztendlich gehe es darum, zu vermitteln, dass mehr Lebensqualität und Wohlbefinden unmittelbar damit einhergehen, selbst aktiv zu sein. Hier sei die Gesundheitserziehung bereits ab dem Kindergartenalter besonders wichtig. Szekeres: „Eigeninitiative ist und bleibt die beste Prävention. Wenn die Menschen lernen, bestimmte Dinge wie Alkohol und Nikotin aus ihrem Leben auszuklammern, andere wiederum wie tägliche Bewegung und richtige Ernährung konsequent und richtig in den Alltag zu integrieren, dann könnten viele Beschwerden und Erkrankungen schon im Keim erstickt werden.” 

Die Wiener Ärztekammer hat kürzlich die Vorsorgekampagne „Ganz Wien sorgt vor: Ich bin dabei!“ gestartet. Folder zu den Themen HIV/AIDS, Allergien, Augengesundheit, Bewegung/Ernährung, Demenz, Diabetes, Krebs, Psyche, Schmerz, Sonne, Sucht sowie Männer- und Frauengesundheit können kostenlos in der Pressestelle unter E-Mail: pressestelle@aekwien.at bestellt sowie unter www.aekwien.at/vorsorge angesehen und heruntergeladen werden.

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iStock ssnegireva